Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten, zentrale Themen christlicher Weltverantwortung mit konkreten gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen zu verbinden. Besonders geeignet ist der Jahresbericht für die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II sowie für Unterrichtseinheiten zu Weltkirche, Mission, Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Armut, Flucht, Menschenwürde und christlicher Verantwortung. Didaktisch besonders ergiebig ist die Verbindung von theologischen Grundfragen mit konkreten Beispielen. Lernende können etwa untersuchen, wie sich das christliche Gebot der Nächstenliebe in Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe ausdrückt. Der Bericht selbst stellt diesen Zusammenhang ausdrücklich her und verbindet den Einsatz für Menschen in Not mit dem biblischen Auftrag aus Matthäus 25,40. DBK_10200_n Eine Unterrichtssequenz kann deshalb mit einer biblischen Textarbeit beginnen und anschließend untersuchen, wie kirchliche Organisationen versuchen, diesen Anspruch praktisch umzusetzen. Ebenso eignet sich das Medium für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Missionsbegriff. Lernende können zunächst eigene Vorstellungen und Assoziationen zu Mission sammeln und diese anschließend mit dem im Jahresbericht vertretenen Verständnis vergleichen. Der Bericht fordert ausdrücklich dazu auf, alte Vorstellungen von Mission zu überwinden und lokale Partner als Akteure mit eigenem Mitspracherecht wahrzunehmen. DBK_10200_n Besonders wichtig ist hierbei die Frage nach einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Der programmatische Gedanke, nicht für internationale Partner, sondern mit ihnen zu arbeiten, ermöglicht Diskussionen über Machtverhältnisse, koloniale Kontinuitäten, Dekolonisierung und Verantwortung. Das Medium eignet sich daher auch für fächerverbindendes Arbeiten mit Politik, Geografie, Geschichte und Ethik. Methodisch bietet sich ein Gruppenpuzzle an, bei dem verschiedene Gruppen einzelne Projekte oder Hilfswerke untersuchen und anschließend vorstellen. Dabei können die Lernenden jeweils herausarbeiten, welches Problem beschrieben wird, welche Menschen betroffen sind, welche Maßnahmen ergriffen werden, welche christlichen Werte erkennbar sind und welche Schwierigkeiten oder Grenzen bestehen. Auch die zahlreichen Fotografien eignen sich als Ausgangspunkt für Bilderschließungen. Lernende können zunächst ohne Kenntnis der Bildunterschrift Vermutungen zu Personen, Situationen und Kontexten formulieren und diese anschließend mit den Informationen des Berichtes abgleichen. Die Tabellen und Grafiken ermöglichen darüber hinaus eine Förderung der Medienkompetenz. Lernende können Finanzdaten auswerten, regionale Unterschiede beschreiben, Schaubilder in eigene Worte übertragen und diskutieren, welche Aussagekraft Zahlen über die tatsächliche Wirkung eines Projektes besitzen. Der Bericht weist selbst darauf hin, dass finanzielle Summen nur begrenzt sichtbar machen können, was Unterstützung für Bildung, Existenzsicherung, Versöhnung oder Nothilfe konkret im Leben einzelner Menschen bedeutet. DBK_10200_n Für ältere Lernende empfiehlt sich zusätzlich eine kritische Quellenanalyse. Da es sich um einen von einer kirchlichen Institution herausgegebenen Jahresbericht handelt, können sie untersuchen, welche Perspektive eingenommen wird, welche Ziele mit der Veröffentlichung verbunden sind, wie Fotografien und persönliche Beispiele eingesetzt werden und in welchem Verhältnis Information, Rechenschaft und kirchliche Selbstdarstellung stehen. Als Abschluss einer Unterrichtseinheit können Lernende ein eigenes Konzept für ein weltkirchliches Projekt entwickeln, Kriterien für eine gerechte internationale Partnerschaft formulieren oder begründet zur Frage Stellung nehmen, was christliche Weltverantwortung im 21. Jahrhundert konkret bedeuten sollte.