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Samuel Jajalian

Samuel Jajalian

Freier Wille Determinismus bei Kant

Veröffentlichung:4.4.2022

Das Medium führt verständlich in den Präferenzutilitarismus von Peter Singer ein und grenzt diesen zunächst vom klassischen Utilitarismus ab. Während im klassischen Utilitarismus der Nutzen vor allem über Glück bestimmt wird, versteht Singer Nutzen als möglichst umfassende Berücksichtigung und Erfüllung der Präferenzen aller von einer Handlung betroffenen Wesen. Als Präferenzen werden Interessen verstanden, beispielsweise das Interesse, Leid zu vermeiden oder weiterzuleben. Eine besondere Bedeutung erhält deshalb die Empfindungsfähigkeit. Nach der im Medium dargestellten Position Singers besitzen empfindungsfähige Wesen Interessen, die bei moralischen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen. Anhand eines alltagsnahen Beispiels zur gemeinsamen Auswahl eines Kinofilms wird verdeutlicht, wie unterschiedliche Interessen gegeneinander abgewogen werden können. Anschließend erläutert das Medium zentrale utilitaristische Merkmale von Singers Ethik. Handlungen werden nach ihren Folgen und danach bewertet, wie gut sie die Präferenzen aller Betroffenen erfüllen. Zentral ist dabei das Prinzip der gleichen Interessenabwägung. Gleiche Interessen sollen gleich berücksichtigt werden, unabhängig davon, wessen Interessen es sind. Das Medium führt damit schrittweise von der Grundidee des Utilitarismus zu Singers universalem ethischen Standpunkt und schafft zugleich einen Übergang zu weiterführenden Fragen seiner Tierethik.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Begründungen moralischen Handelns und mit der Frage, wessen Interessen bei ethischen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen. Als Einstieg kann eine lebensnahe Entscheidungssituation gewählt werden, bei der unterschiedliche Interessen miteinander in Konflikt geraten. Denkbar ist beispielsweise die Frage, welchen Film eine Gruppe auswählt, wenn einzelne Personen sehr unterschiedliche Wünsche haben. Die Lernenden können zunächst spontan entscheiden und ihre Entscheidung begründen. Anschließend wird das Medium eingesetzt, um Singers Präferenzutilitarismus als systematische Möglichkeit moralischer Urteilsbildung kennenzulernen. Während der Betrachtung können die Lernenden zentrale Begriffe wie Präferenz, Interesse, Nutzen, Empfindungsfähigkeit, Konsequenz und gleiche Interessenabwägung notieren und anschließend in eigenen Worten erklären. Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen dem klassischen Utilitarismus und Singers Präferenzutilitarismus. Die Lernenden können herausarbeiten, dass nicht einfach eine möglichst große Menge an Glück angestrebt wird, sondern die Interessen aller Betroffenen möglichst umfassend berücksichtigt werden sollen.

Methodisch bietet sich anschließend die Arbeit mit Fallbeispielen an. Die Lernenden erhalten moralische Konfliktsituationen und bestimmen zunächst alle von einer Handlung Betroffenen. Danach formulieren sie deren jeweilige Interessen und prüfen, welche Handlung diese Interessen möglichst umfassend berücksichtigt. Eine Tabelle mit den Kategorien Betroffene, Interessen, mögliche Handlungen, Folgen und Interessenabwägung kann den Entscheidungsprozess strukturieren. Dabei sollte deutlich werden, dass die eigenen Interessen nach Singer nicht grundsätzlich stärker zählen als vergleichbare Interessen anderer. Gerade das im Medium dargestellte Prinzip der gleichen Interessenabwägung bietet einen geeigneten Ausgangspunkt für eine Diskussion über Gleichheit und Gerechtigkeit. Das Medium betont ausdrücklich, dass Gleichheit bei Singer nicht bedeutet, alle Wesen identisch zu behandeln. Vielmehr sollen vergleichbare Interessen gleiches Gewicht erhalten.

Für eine vertiefende religionspädagogische Auseinandersetzung kann Singers Ansatz anschließend mit christlichen Vorstellungen von Menschenwürde, Nächstenliebe, Verantwortung und dem Verhältnis des Menschen zur Schöpfung ins Gespräch gebracht werden. Die Lernenden können untersuchen, worauf moralische Rücksicht jeweils gegründet wird. Bei Singer spielt die Empfindungsfähigkeit eine zentrale Rolle, während in christlichen Menschenbildern etwa die besondere Beziehung des Menschen zu Gott und die daraus abgeleitete Würde thematisiert werden können. Hier bietet sich ein Vergleich verschiedener ethischer Begründungsmodelle an, ohne vorschnell eines der Modelle als überlegen darzustellen. Besonders ergiebig ist zudem die Frage, ob moralische Verantwortung auf Menschen begrenzt werden darf oder auch empfindungsfähige Tiere einschließen muss. Das Medium bereitet diese Frage vor, indem es ausdrücklich darauf hinweist, dass Singer auch die Interessen nichtmenschlicher Tiere in moralische Überlegungen einbezieht.

Eine weitere methodische Möglichkeit stellt eine strukturierte Fallanalyse dar. Die Lernenden bearbeiten beispielsweise eine Entscheidung zum Umgang mit Tieren, zu Konsum, Umweltschutz oder zur Verteilung begrenzter Ressourcen. Sie erfassen zunächst die Interessen aller Betroffenen und entwickeln anschließend aus der Perspektive des Präferenzutilitarismus eine begründete Handlungsmöglichkeit. In einer zweiten Phase können sie dieselbe Situation aus einer anderen ethischen Perspektive betrachten. Dadurch erkennen sie, dass unterschiedliche ethische Ansätze zu unterschiedlichen Begründungen und möglicherweise auch zu unterschiedlichen Entscheidungen führen können. Für eine abschließende Sicherung können die Lernenden die Aussage „Interesse ist Interesse, unabhängig davon, wessen Interesse es ist“ sinngemäß erläutern und auf einen neuen Fall übertragen. Eine schriftliche Stellungnahme eignet sich schließlich dazu, Sachkompetenz, Argumentationsfähigkeit und ethische Urteilskompetenz miteinander zu verbinden.


Prüfungsfragen für eine Klausur in Klasse 10 mit Musterantworten


Aufgabe 1, Operator Beschreiben: Beschreiben Sie die Grundidee des Präferenzutilitarismus von Peter Singer.

Musterantwort: Nach dem Präferenzutilitarismus soll eine Handlung danach beurteilt werden, wie gut sie die Präferenzen beziehungsweise Interessen aller Betroffenen berücksichtigt und erfüllt. Moralisch entscheidend sind deshalb nicht nur die eigenen Wünsche. Die Interessen aller betroffenen Wesen müssen in die Entscheidung einbezogen werden. Diejenige Handlung ist vorzuziehen, die aus einem unparteiischen Standpunkt die Interessen aller Betroffenen möglichst umfassend berücksichtigt.


Aufgabe 2, Operator Erläutern: Erläutern Sie den Unterschied zwischen dem klassischen Utilitarismus und Singers Präferenzutilitarismus.

Musterantwort: Beide Ansätze beurteilen Handlungen anhand ihres Nutzens und ihrer Folgen. Sie unterscheiden sich jedoch darin, was als Nutzen verstanden wird. Beim im Medium dargestellten klassischen Utilitarismus besteht der Nutzen im Glück der Betroffenen. Angestrebt wird die größtmögliche Summe an Glück. Singer bestimmt Nutzen dagegen über die Berücksichtigung und Erfüllung von Präferenzen. Entscheidend ist deshalb, welche Interessen die Betroffenen besitzen und wie gut diese durch eine Handlung berücksichtigt werden.


Aufgabe 3, Operator Erklären: Erklären Sie, weshalb die Empfindungsfähigkeit für Singers Ethik eine besondere Bedeutung besitzt.

Musterantwort: Nach der im Medium dargestellten Position Singers besitzen empfindungsfähige Wesen Interessen. Ein Wesen, das beispielsweise Leid empfinden kann, besitzt ein Interesse daran, dieses Leid zu vermeiden. Deshalb müssen seine Interessen bei moralischen Entscheidungen berücksichtigt werden. Die moralische Berücksichtigung ist damit nicht grundsätzlich auf Menschen beschränkt. Auch empfindungsfähige Tiere können Interessen besitzen, die in eine moralische Interessenabwägung einbezogen werden müssen.


Aufgabe 4, Operator Erläutern: Erläutern Sie das Prinzip der gleichen Interessenabwägung.

Musterantwort: Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung fordert, vergleichbare Interessen aller Betroffenen gleich zu berücksichtigen. Die eigenen Interessen erhalten nicht automatisch mehr Gewicht als die Interessen anderer. Gleichheit bedeutet dabei nicht, dass alle Wesen identisch behandelt werden müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass ein Interesse nicht allein deshalb weniger berücksichtigt wird, weil es das Interesse einer bestimmten Person oder eines bestimmten Wesens ist. Für eine moralische Entscheidung soll deshalb ein unparteiischer Standpunkt eingenommen werden.


Aufgabe 5, Operator Anwenden: Eine Person möchte einen Film sehen, den sie sehr mag. Ihre Begleitung lehnt diesen Film jedoch stark ab. Beide mögen außerdem eine bestimmte Komödie. Wenden Sie Singers Präferenzutilitarismus auf die Situation an.

Musterantwort: Zunächst müssen die Interessen beider Personen berücksichtigt werden. Bei der Wahl des ersten Films würde das Interesse der einen Person erfüllt, während das starke entgegenstehende Interesse der anderen Person verletzt würde. Bei der gemeinsamen Komödie können dagegen die Interessen beider Personen berücksichtigt werden. Aus der Perspektive des im Medium dargestellten Präferenzutilitarismus spricht deshalb mehr für die gemeinsame Komödie, weil diese Entscheidung die vorhandenen Präferenzen insgesamt besser erfüllt. Das Beispiel zeigt zugleich, dass die eigene Präferenz nicht automatisch wichtiger ist als die Präferenz einer anderen Person.


Aufgabe 6, Operator Vergleichen: Vergleichen Sie Singers Prinzip der gleichen Interessenabwägung mit dem christlichen Gebot der Nächstenliebe.

Musterantwort: Beide Ansätze fordern dazu auf, bei moralischen Entscheidungen nicht ausschließlich die eigenen Interessen in den Mittelpunkt zu stellen. Das Gebot der Nächstenliebe fordert eine Hinwendung zum Mitmenschen und verbindet die Beziehung zum anderen Menschen mit der Beziehung zu Gott. Singers Ansatz argumentiert dagegen utilitaristisch. Entscheidend ist die unparteiische Berücksichtigung der Interessen aller Betroffenen. Eine Gemeinsamkeit besteht somit in der Überwindung eines ausschließlich egoistischen Standpunkts. Ein Unterschied besteht insbesondere in der Begründung moralischer Verpflichtungen. Singer argumentiert über Interessen und deren gleiche Berücksichtigung, während christliche Ethik moralische Verantwortung unter anderem aus der Gottesbeziehung und der Beziehung zum Mitmenschen begründen kann.


Aufgabe 7, Operator Erörtern: Erörtern Sie die Aussage: „Bei einer moralischen Entscheidung müssen die Interessen aller Betroffenen gleich berücksichtigt werden.“

Musterantwort: Für die Aussage spricht, dass sie verhindert, die eigenen Interessen ohne Begründung über die Interessen anderer zu stellen. Das Prinzip fördert einen unparteiischen Blick auf moralische Konflikte und fordert dazu auf, alle Betroffenen wahrzunehmen. Außerdem ermöglicht es, die Interessen empfindungsfähiger Tiere einzubeziehen. Schwierigkeiten entstehen jedoch bei der konkreten Abwägung. Interessen können unterschiedlich stark sein und miteinander in Konflikt geraten. Zudem stellt sich die Frage, wie unterschiedliche Interessen zuverlässig miteinander verglichen werden können. Das Prinzip bietet daher eine wichtige Orientierung für moralische Entscheidungen, erfordert in konkreten Situationen jedoch eine sorgfältige Bestimmung und Abwägung der jeweiligen Interessen.


Aufgabe 8, Operator Beurteilen: Beurteilen Sie, inwiefern Singers Präferenzutilitarismus eine geeignete Grundlage für moralische Entscheidungen sein kann.

Musterantwort: Der Präferenzutilitarismus bietet eine nachvollziehbare Grundlage für moralische Entscheidungen, weil er dazu auffordert, die Folgen des eigenen Handelns und die Interessen aller Betroffenen zu berücksichtigen. Eine Stärke besteht darin, dass die eigenen Interessen nicht automatisch bevorzugt werden und der Kreis moralischer Berücksichtigung über den Menschen hinaus erweitert werden kann. Gleichzeitig entstehen Schwierigkeiten, wenn Interessen miteinander konkurrieren oder nur schwer vergleichbar sind. Auch kann diskutiert werden, ob die Erfüllung von Interessen allein ausreicht, um die moralische Richtigkeit einer Handlung zu bestimmen. Für eine Beurteilung ist deshalb entscheidend, sowohl die unparteiische Interessenabwägung als Stärke als auch mögliche Grenzen einer ausschließlich an Interessen und Handlungsfolgen orientierten Ethik zu berücksichtigen.

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