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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Das schwarze Wort

Veröffentlichung:1.1.2016

Das Medium „Das schwarze Wort“, erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 14. Dezember 2013, thematisiert anhand eines konkreten Falls die Entstehung und die Folgen von Hass und entwürdigender Kommunikation im Internet. Im Mittelpunkt steht ein vierzehnjähriger Junge, der in einem kurzen Video Fastfood bewertet. Aufgrund einer Krebserkrankung und der damit verbundenen Behandlung hat sich sein Aussehen verändert. Ohne die Hintergründe zu kennen, reagieren zahlreiche Nutzende mit beleidigenden, abwertenden und menschenverachtenden Kommentaren auf das Video. Der Text stellt diesen Äußerungen die Perspektive des betroffenen Jungen und seiner Freundin gegenüber und macht dadurch sichtbar, dass hinter einem Bild im Internet immer ein konkreter Mensch mit einer eigenen Geschichte und eigenen Gefühlen steht. Ergänzend werden psychologische Erklärungsansätze aufgegriffen. Besonders die fehlende unmittelbare Wahrnehmung der Reaktion des Gegenübers, mangelnde Perspektivenübernahme und reduzierte Empathie können dazu beitragen, dass Hemmschwellen im digitalen Raum sinken. Das Medium verbindet damit eine persönliche Geschichte mit grundlegenden Fragen nach Verantwortung, Menschenwürde, Empathie und dem Umgang miteinander in digitalen Kommunikationsräumen.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Auseinandersetzung mit Menschenwürde, Nächstenliebe, Verantwortung, Schuld, Mitgefühl und ethischem Handeln in sozialen Medien. Der Einstieg sollte behutsam erfolgen, da die Themen Krankheit, Ausgrenzung und massive Beleidigungen für Lernende belastend sein können und möglicherweise an eigene Erfahrungen mit Cybermobbing anknüpfen. Zunächst können die Lernenden den Beginn des Textes lesen und ihre Wahrnehmung des Jungen sowie der Kommentare beschreiben. Dabei sollte bewusst zwischen Beobachtung, Interpretation und Bewertung unterschieden werden. Anschließend können die weiteren Informationen über die Erkrankung des Jungen erschlossen werden. Der dadurch entstehende Perspektivwechsel bietet einen wichtigen didaktischen Zugang: Die Lernenden können untersuchen, wie sich ihre Wahrnehmung verändert, sobald sie mehr über einen Menschen und seine Lebenssituation erfahren. Zugleich sollte herausgearbeitet werden, dass die Erkrankung nicht der eigentliche Grund dafür ist, weshalb die Beleidigungen abzulehnen sind. Auch ohne Erkrankung besitzt der Junge Würde und darf nicht aufgrund seines Körpers oder seines Verhaltens herabgesetzt werden.

In einer vertiefenden Arbeitsphase können die Lernenden die verschiedenen Perspektiven des Textes herausarbeiten. Dazu gehören die Perspektive des Jungen, die Perspektive seiner Freundin, die Perspektive der kommentierenden Nutzenden und die psychologische Perspektive auf das Verhalten im Internet. Leitfragen können darauf zielen, was die Beteiligten wissen, was sie nicht wissen, welche Folgen ihre Worte haben können und welche Verantwortung Menschen für Äußerungen im digitalen Raum tragen. Besonders ergiebig ist die Aussage zur fehlenden Perspektivenübernahme. Die Lernenden können überlegen, weshalb Kommunikation leichter verletzend werden kann, wenn die unmittelbare Reaktion des Gegenübers nicht sichtbar ist. Daran lässt sich die Frage anschließen, ob Verantwortung im Internet geringer, gleich groß oder möglicherweise sogar größer ist als in einem persönlichen Gespräch.

Religionspädagogisch bietet sich eine Verbindung zur Vorstellung von der unverfügbaren Würde jedes Menschen an. Je nach Unterrichtszusammenhang können biblische Texte zur Gottesebenbildlichkeit, zur Nächstenliebe oder zur Goldenen Regel herangezogen werden. Die Lernenden können beispielsweise prüfen, welche Konsequenzen sich aus der Vorstellung des Menschen als Ebenbild Gottes für Sprache und Verhalten im Internet ergeben. Ebenso kann die Goldene Regel auf digitale Kommunikation übertragen werden. Dadurch wird das Fallbeispiel nicht lediglich als Problem des Cybermobbings behandelt, sondern als ethische Frage nach der Verantwortung für den anderen Menschen. Dabei sollte vermieden werden, vorschnell zwischen guten Opfern und bösen Tätern zu unterscheiden. Didaktisch produktiver ist die Untersuchung der Bedingungen, unter denen Menschen sich an Abwertungen beteiligen, schweigen, Zustimmung signalisieren oder widersprechen.

Methodisch eignet sich eine arbeitsteilige Texterschließung, bei der Gruppen unterschiedliche Perspektiven oder zentrale Begriffe wie Empathie, Verantwortung, Menschenwürde und Gruppendynamik untersuchen. Die Ergebnisse können anschließend zusammengeführt und auf konkrete Situationen digitaler Kommunikation übertragen werden. Ebenso ist ein Perspektivwechsel möglich, bei dem Lernende formulieren, welche Gedanken und Gefühle bei den verschiedenen Beteiligten auftreten könnten. Dabei sollten keine verletzenden Kommentare nachgespielt oder neue Beleidigungen erfunden werden. Stattdessen kann der Schwerpunkt auf Handlungsmöglichkeiten liegen. Die Lernenden können angemessene Reaktionen auf Hasskommentare entwickeln, etwa nicht mitzumachen, Betroffene zu unterstützen, problematische Inhalte zu melden, Hilfe zu holen oder respektvoll zu widersprechen.

Für eine abschließende Reflexion können die Lernenden Regeln für eine menschenwürdige Kommunikation im Internet formulieren und diese religiös oder ethisch begründen. Eine mögliche Leitfrage lautet: „Welche Verantwortung trage ich für meine Worte, wenn ich die Reaktion des anderen Menschen nicht sehen kann?“ Auch die Aussage „Worte können verletzen“ kann als Ausgangspunkt dienen, um über die Macht von Sprache nachzudenken. Auf diese Weise unterstützt das Medium sowohl die ethische Urteilsbildung als auch die Entwicklung von Empathie, Medienkompetenz und konkreter Handlungskompetenz. Es eignet sich insbesondere für Unterrichtseinheiten zu Menschenwürde, digitaler Ethik, Cybermobbing, Nächstenliebe, Verantwortung und christlicher Anthropologie.


Aufgabe 1: Beschreiben


Operator: beschreiben

Beschreibe die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Mensch und digitaler Technik, die im Artikel „Der digitale Mensch“ dargestellt wird. Nenne außerdem drei Beispiele aus dem Text.

Musterantwort

Die Autoren beschreiben eine Entwicklung, bei der digitale Technik immer näher an den menschlichen Körper heranrückt. Zunächst befand sich der Computer an einem festen Platz. Danach wurde Technik mit dem Laptop mobil und mit dem Smartphone zu einem ständigen Begleiter. Wearables werden schließlich unmittelbar am Körper getragen. Damit verändert sich auch die Menge der erfassten persönlichen Daten.

Als Beispiele nennt der Artikel unter anderem das Armband „Feel“, das körperliche Werte erfasst und daraus Rückschlüsse auf emotionale Zustände ermöglichen soll, eine intelligente Jacke, die medizinische Informationen speichern kann, und intelligente Schuhe, die Schritte, Kalorienverbrauch und Abnutzung messen. Weitere Beispiele sind ein Sensor zur Messung der Sonnenbelastung und ein technisches Gerät gegen Haarausfall.


Aufgabe 2: Erläutern

Operator: erläutern

Erläutere anhand des Beispiels mit dem Autohändler, welche Problematik die Autoren zu Beginn des Artikels verdeutlichen wollen.

Musterantwort

Das Beispiel des Autohändlers verdeutlicht das Problem der unbemerkten Sammlung persönlicher Daten. Die Autoren stellen sich vor, dass ein Autohändler Informationen über frühere Unfälle eines Menschen gesammelt hat und dieses Wissen nutzt, um ihm ein neues Auto zu verkaufen. Viele Menschen würden dies vermutlich als Eingriff in ihre Privatsphäre empfinden.

Anschließend übertragen die Autoren dieses Verhalten auf digitale Geräte. Fitnessarmbänder und andere Wearables sammeln ebenfalls persönliche Informationen. Die Datenerhebung fällt jedoch weniger auf, weil sie durch technische Geräte geschieht. Das Beispiel soll deshalb einen Widerspruch sichtbar machen. Ein Verhalten, das bei einem anderen Menschen als übergriffig wahrgenommen werden könnte, wird bei digitalen Geräten möglicherweise eher akzeptiert. Dadurch regen die Autoren dazu an, den eigenen Umgang mit persönlichen Daten kritisch zu überprüfen.


Aufgabe 3: Analysieren

Operator: analysieren

Analysiere, welches Menschenbild im Artikel durch die Vorstellung eines „komplett vernetzten und damit auch komplett durchanalysierten Menschen“ sichtbar wird. Berücksichtige dabei mindestens zwei Beispiele aus dem Artikel.

Musterantwort

Die Formulierung des „komplett vernetzten“ und „komplett durchanalysierten“ Menschen beschreibt ein Menschenbild, bei dem immer mehr Eigenschaften des Menschen als messbare Daten erfasst werden. Der Mensch erscheint dabei zunehmend als eine Ansammlung körperlicher Werte, Verhaltensweisen und Informationen.

Dies zeigt sich besonders am Armband „Feel“. Es erfasst verschiedene körperliche Werte und versucht daraus abzuleiten, ob sich ein Mensch beispielsweise glücklich oder gestresst fühlt. Damit werden sogar Gefühle mit technischen Messungen verbunden. Ein weiteres Beispiel sind die intelligenten Schuhe. Sie erfassen Schritte und Kalorienverbrauch. Auch das Fitnessarmband zu Beginn des Artikels sammelt Informationen über Bewegung, Schlaf und weitere private Lebensbereiche.

Dieses Menschenbild kann kritisch betrachtet werden, weil menschliches Leben nicht vollständig durch Zahlen beschrieben werden kann. Erfahrungen, Beziehungen, Hoffnungen, Ängste, Überzeugungen und die persönliche Deutung des eigenen Lebens lassen sich nicht ohne Weiteres auf Messwerte reduzieren. Der Artikel macht damit auf die Spannung zwischen den Möglichkeiten technischer Datenerfassung und der Vielschichtigkeit des Menschen aufmerksam.


Aufgabe 4: In Beziehung setzen

Operator: in Beziehung setzen

Setze die Vorstellung des vollständig vermessbaren Menschen aus dem Artikel in Beziehung zum christlichen Verständnis des Menschen als Ebenbild Gottes in Genesis 1,26 bis 27.

Musterantwort

Genesis 1,26 bis 27 beschreibt den Menschen als Ebenbild Gottes. Daraus wird in der christlichen Tradition eine besondere und unverlierbare Würde jedes Menschen abgeleitet. Diese Würde hängt nicht davon ab, wie leistungsfähig, gesund, erfolgreich oder intelligent ein Mensch ist.

Der Artikel beschreibt dagegen technische Möglichkeiten, durch die immer mehr Eigenschaften eines Menschen gemessen und ausgewertet werden. Schritte, Puls, Hauttemperatur, Schlaf oder emotionale Zustände werden zu Daten. Dadurch kann der Eindruck entstehen, ein Mensch lasse sich immer genauer durch messbare Informationen beschreiben.

Zwischen beiden Vorstellungen besteht eine Spannung. Digitale Daten können wichtige Informationen über einen Menschen liefern, erfassen aber nicht den Menschen in seiner Gesamtheit. Aus christlicher Perspektive besitzt der Mensch einen Wert, der sich nicht messen oder berechnen lässt. Die Gottebenbildlichkeit kann deshalb als Widerspruch gegen eine Reduzierung des Menschen auf Daten, körperliche Funktionen oder Leistungswerte verstanden werden.

Gleichzeitig muss Technik aus christlicher Perspektive nicht grundsätzlich abgelehnt werden. Wenn technische Geräte beispielsweise Menschen schützen, Krankheiten erkennen oder in Notfällen helfen, können sie dem menschlichen Leben dienen. Entscheidend ist, dass der Mensch nicht zum bloßen Objekt der Datenerfassung wird und seine Würde sowie seine Selbstbestimmung gewahrt bleiben.


Aufgabe 5: Erörtern

Operator: erörtern

Erörtere die Aussage: „Wenn digitale Technik die Gesundheit und Sicherheit eines Menschen verbessert, darf sie möglichst viele persönliche Daten sammeln.“

Beziehe den Artikel sowie christlich ethische Gesichtspunkte in deine Argumentation ein.

Musterantwort

Für die Aussage spricht zunächst, dass persönliche Daten einen konkreten Nutzen haben können. Der Artikel beschreibt beispielsweise eine intelligente Jacke, über die bei einem Unfall medizinische Informationen und wichtige Kontaktdaten zugänglich gemacht werden können. In einer Notfallsituation können solche Informationen hilfreich sein. Auch der UV Sensor kann dazu beitragen, gesundheitliche Schäden durch zu starke Sonnenstrahlung zu vermeiden. Digitale Technik kann somit Gesundheit und Sicherheit fördern.

Auch Fitnessdaten können Menschen helfen, das eigene Verhalten bewusster wahrzunehmen. Wer Informationen über Bewegung oder andere körperliche Werte erhält, kann möglicherweise gesundheitsbewusstere Entscheidungen treffen.

Gegen eine unbegrenzte Datensammlung spricht jedoch das Recht des Menschen auf Privatheit und Selbstbestimmung. Nicht jede technisch erfassbare Information muss gespeichert werden. Besonders problematisch sind sensible Informationen über Gesundheit, Gefühle, Aufenthaltsorte oder intime Lebensbereiche. Werden solche Daten weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet, können Menschen die Kontrolle über ihre persönlichen Informationen verlieren.

Aus christlich ethischer Perspektive ist außerdem die Menschenwürde von Bedeutung. Der Mensch darf nicht lediglich als Datenquelle betrachtet werden. Die Vorstellung der Gottebenbildlichkeit betont einen Wert des Menschen, der unabhängig von messbaren Eigenschaften besteht. Technik sollte deshalb dem Menschen dienen und nicht dazu führen, dass Menschen vollständig kontrolliert oder nach ihren Daten bewertet werden.

Insgesamt kann die Sammlung persönlicher Daten dann ethisch vertretbar sein, wenn sie einem nachvollziehbaren Zweck dient, die betroffene Person informiert zustimmt und selbst über die Verwendung ihrer Daten entscheiden kann. Ein gesundheitlicher Nutzen allein rechtfertigt nicht automatisch eine unbegrenzte Sammlung persönlicher Informationen.


Aufgabe 6: Beurteilen

Operator: beurteilen

Beurteile aus christlich ethischer Perspektive die Vorstellung, dass technische Geräte zukünftig immer mehr Entscheidungen über Gesundheit, Verhalten und Lebensführung des Menschen übernehmen könnten.

Musterantwort

Technische Geräte können Menschen bei Entscheidungen unterstützen. Gesundheitsdaten können beispielsweise auf Risiken aufmerksam machen oder dabei helfen, das eigene Verhalten zu reflektieren. In diesem Sinne kann Technik einen Beitrag zur Bewahrung und zum Schutz menschlichen Lebens leisten.

Problematisch wird die Entwicklung jedoch, wenn technische Systeme nicht mehr unterstützen, sondern menschliche Entscheidungen ersetzen. Zur menschlichen Freiheit gehört die Möglichkeit, das eigene Leben verantwortlich zu gestalten. Aus christlicher Sicht ist der Mensch ein verantwortliches Wesen, das Entscheidungen treffen und deren Folgen bedenken kann.

Hinzu kommt, dass technische Systeme hauptsächlich mit messbaren Informationen arbeiten. Eine menschliche Entscheidung berücksichtigt jedoch häufig auch Beziehungen, Gefühle, Erfahrungen, moralische Überzeugungen und persönliche Lebensziele. Diese Aspekte können nicht vollständig durch Daten dargestellt werden.

Aus christlich ethischer Perspektive sollte digitale Technik deshalb als Hilfsmittel verstanden werden. Sie kann Informationen bereitstellen und Menschen bei verantwortlichen Entscheidungen unterstützen. Die letzte Verantwortung für grundlegende Entscheidungen über die eigene Lebensführung sollte jedoch grundsätzlich beim Menschen verbleiben. Auf diese Weise können technische Möglichkeiten genutzt werden, ohne Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde einem technischen System unterzuordnen.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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