Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Auseinandersetzung mit Digitalisierung, Menschenbild, Bildung, Freiheit, Verantwortung und dem Verhältnis von Mensch und Technik. Eine besondere didaktische Stärke entwickelt der Text in der Gegenüberstellung mit medienkritischen Positionen, insbesondere mit der These einer digitalen Demenz. Die Lernenden können untersuchen, wie unterschiedliche Autorinnen und Autoren auf vergleichbare Entwicklungen reagieren und auf welche wissenschaftlichen Befunde sie ihre Argumentation stützen. Als Einstieg kann die Frage gestellt werden, welche Informationen die Lernenden heute noch auswendig wissen und welche sie selbstverständlich ihrem Smartphone oder anderen digitalen Speichern anvertrauen. Beispiele wie Telefonnummern, Geburtstage, Termine, Adressen, Wegbeschreibungen und schulisches Wissen ermöglichen einen unmittelbaren Bezug zur eigenen Lebenswelt. Anschließend kann der Text arbeitsteilig erschlossen werden. Die Lernenden können die Ausgangsfrage, die beschriebenen Experimente, die Ergebnisse sowie die daraus gezogenen Schlussfolgerungen herausarbeiten und in eigenen Worten wiedergeben. Methodisch sinnvoll ist dabei eine Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem Befund und Interpretation. Die Lernenden sollten prüfen, was durch die beschriebenen Experimente tatsächlich gezeigt wird und welche weitergehenden Aussagen daraus abgeleitet werden. Auf diese Weise wird neben der religionsbezogenen Urteilsbildung auch die Fähigkeit gefördert, wissenschaftlich begründete Aussagen kritisch zu beurteilen. Besonders ergiebig ist ein Vergleich mit Manfred Spitzers Position zur digitalen Demenz. Während Spitzer die Auslagerung geistiger Leistungen als mögliche Gefahr für die Entwicklung menschlicher Fähigkeiten betrachtet, beschreibt Schultz wissenschaftliche Befunde, nach denen das externe Speichern von Informationen auch entlastende und lernfördernde Wirkungen besitzen kann. Die Lernenden können Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten, die jeweiligen Argumente einander gegenüberstellen und anschließend ein begründetes eigenes Urteil formulieren. Religionspädagogisch kann diese Kontroverse auf die grundlegende Frage erweitert werden, was menschliche Bildung eigentlich ausmacht. Wenn Wissen jederzeit digital verfügbar ist, stellt sich die Frage, ob Bildung vor allem im Besitz von Wissen besteht oder vielmehr in der Fähigkeit, Informationen zu verstehen, Zusammenhänge herzustellen, kritisch zu urteilen und verantwortlich zu handeln. Hier bietet sich eine Verbindung mit einem christlichen Menschenbild an, das den Menschen nicht auf seine Gedächtnisleistung oder seine intellektuellen Fähigkeiten reduziert. Der Mensch kann vielmehr als verantwortliches, beziehungsfähiges und zur Gestaltung seiner Welt befähigtes Wesen betrachtet werden. Daraus ergibt sich die Frage, welche Aufgaben Technik übernehmen darf und welche Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes menschliches Leben unverzichtbar bleiben. Die Lernenden können hierzu Kriterien entwickeln und beispielsweise entscheiden, welche Informationen sie bedenkenlos digital auslagern würden und welches Wissen sie persönlich für unverzichtbar halten. Auch die Frage nach Freiheit und Abhängigkeit bietet einen geeigneten Zugang. Digitale Speicher können Menschen von Routineaufgaben entlasten und neue Freiräume eröffnen. Gleichzeitig kann eine starke Abhängigkeit von digitalen Systemen entstehen. Eine abschließende Diskussion kann deshalb unter der Fragestellung stehen, ob digitale Technik den Menschen geistig abhängiger macht oder ihm neue Freiheit ermöglicht. Als kreative Vertiefung können die Lernenden Regeln für einen verantwortlichen Umgang mit digital gespeicherten Informationen formulieren oder einen kurzen Kommentar zur Frage verfassen, welches Wissen ein Mensch trotz jederzeit verfügbarer digitaler Informationen selbst besitzen sollte. Das Medium fördert damit eine differenzierte Betrachtung digitaler Technik und unterstützt die Lernenden darin, einfache Gegenüberstellungen von technikfreundlichen und technikkritischen Positionen zu überwinden und zu einem begründeten ethischen Urteil über die Bedeutung digitaler Medien für das menschliche Leben zu gelangen.