Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Themenfelder wie Menschenbild, Freiheit, Verantwortung, Bildung, Gemeinschaft, soziale Beziehungen und verantwortlicher Umgang mit Technik. Da Spitzer seine Position bewusst zugespitzt formuliert, sollte der Text nicht lediglich als Informationsquelle über die Auswirkungen digitaler Medien eingesetzt werden. Vielmehr bietet er sich als kontroverser Impuls für die ethische Urteilsbildung an. Die Lernenden können zunächst die zentralen Thesen des Autors herausarbeiten und zwischen Behauptungen, Beispielen, wissenschaftlichen Bezügen und Schlussfolgerungen unterscheiden. Dabei sollte besonders untersucht werden, mit welchen sprachlichen Mitteln Spitzer seine Kritik verstärkt. Formulierungen wie „digitale Demenz“, „leeres Marktgeschrei“ oder die Aussage, digitale soziale Netzwerke machten Kinder und Jugendliche einsam und unglücklich, können daraufhin geprüft werden, welche Wirkung sie auf die Lesenden entfalten und ob die im Text angeführten Befunde die weitreichenden Schlussfolgerungen tatsächlich tragen. Da der Text aus dem Jahr 2012 stammt, ist außerdem eine Einordnung seines Entstehungszeitraums sinnvoll. Die damaligen Formen digitaler Mediennutzung unterscheiden sich teilweise von der heutigen Lebenswelt. Deshalb können die Lernenden Spitzers Aussagen mit ihren eigenen Erfahrungen sowie mit aktuellen Erkenntnissen zur Mediennutzung vergleichen. Methodisch bietet sich zunächst eine Einzelarbeit an, in der Aussagen zu den Bereichen Lernen, Gedächtnis, soziale Beziehungen, Bildung und Gesundheit markiert und geordnet werden. In einer anschließenden Gruppenarbeit können die Lernenden jeweils eine zentrale These untersuchen und Argumente formulieren, die für oder gegen Spitzers Schlussfolgerungen sprechen. Besonders geeignet ist eine Diskussion über die Frage, ob digitale Technik menschliche Fähigkeiten grundsätzlich schwächt oder ob entscheidend ist, auf welche Weise Menschen digitale Medien verwenden. Dadurch wird eine vorschnelle Gegenüberstellung von einer angeblich guten realen Welt und einer schlechten digitalen Welt vermieden. Religionspädagogisch lässt sich die Auseinandersetzung mit der Frage nach einem christlichen Menschenbild verbinden. Die Lernenden können untersuchen, was den Menschen aus christlicher Perspektive auszeichnet und welche Bedeutung Leiblichkeit, unmittelbare Begegnung, Gemeinschaft, Freiheit und Verantwortung besitzen. Dabei kann beispielsweise die Vorstellung des Menschen als Beziehungswesen aufgegriffen werden. Zu fragen ist dann, ob digitale Kommunikation echte Beziehung verhindert, ergänzt oder unter bestimmten Voraussetzungen sogar ermöglicht. Ebenso kann Spitzers Kritik mit der Frage nach menschlicher Freiheit verbunden werden. Digitale Geräte können einerseits Abhängigkeiten erzeugen und Aufmerksamkeit beanspruchen, andererseits eröffnen sie Möglichkeiten für Kommunikation, Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und den Zugang zu Wissen. Die Lernenden können Kriterien für einen verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien entwickeln und diese aus ethischer sowie christlicher Perspektive begründen. Als abschließende Aufgabe eignet sich beispielsweise die Formulierung eigener Regeln für ein gutes digitales Leben. Dabei sollen die Lernenden nicht lediglich Nutzungszeiten festlegen, sondern begründen, welche Rolle Selbstbestimmung, Verantwortung, Gemeinschaft, Aufmerksamkeit, Bildung und das Wohlergehen anderer spielen. Auf diese Weise wird Spitzers zugespitzte Medienkritik zum Ausgangspunkt einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Frage, wie Menschen technische Möglichkeiten nutzen können, ohne ihre Freiheit und Verantwortung an die Technik abzugeben.