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Fachverband Ethik Baden Württemberg

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Hans Magnus Enzensberger: Wehrt Euch!

Veröffentlichung:1.1.2016

Das Medium „Wehrt Euch!“ von Hans Magnus Enzensberger, erschienen 2014 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ist ein pointiert formulierter Beitrag zur Ethik digitaler Medien. In zehn zugespitzten Regeln fordert Enzensberger dazu auf, sich gegen digitale Überwachung, Datensammlung und die wirtschaftliche Verwertung persönlicher Informationen zur Wehr zu setzen. Der Text thematisiert Mobiltelefone, kostenlose digitale Angebote, elektronisches Bezahlen, vernetzte Alltagsgegenstände, elektronische Kommunikation, den Einkauf im Internet, Werbung und soziale Netzwerke. Dabei richtet sich die Kritik sowohl gegen große Internetunternehmen und deren Geschäftsmodelle als auch gegen staatliche Überwachung und den Umgang der Politik mit der Digitalisierung. Enzensberger beschreibt persönliche Daten und Privatsphäre als gefährdete Güter und stellt die vermeintliche Bequemlichkeit digitaler Angebote ihren möglichen Folgen für Freiheit und Selbstbestimmung gegenüber. Charakteristisch sind die provokante Sprache, Ironie, Übertreibung und bewusst radikale Handlungsaufforderungen. Der Text ist daher weniger als ausgewogene Darstellung der Digitalisierung zu verstehen, sondern als streitbarer Appell, der zur kritischen Auseinandersetzung mit digitaler Lebensführung herausfordert.

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Das Medium eignet sich besonders auch als Prüfungstext für den Religionsunterricht und Ethikunterricht in der Sekundarstufe II sowie in ausgewählten Passagen für die höheren Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I. Seine besondere didaktische Stärke besteht in der unmittelbaren Nähe zur Lebenswelt der Lernenden. Smartphone, soziale Netzwerke, digitale Kommunikation, Werbung, Bezahlen und Einkaufen im Internet gehören für viele Lernende zum Alltag. Enzensbergers Forderung, auf zahlreiche dieser Angebote zu verzichten, erzeugt deshalb einen produktiven Widerspruch zwischen alltäglicher Mediennutzung und grundsätzlicher Medienkritik. Als Einstieg kann die erste Regel präsentiert und die Frage gestellt werden, wie Lernende auf die Aufforderung reagieren würden, ihr Mobiltelefon vollständig aufzugeben. Die zunächst spontanen Reaktionen können gesammelt und nach Argumenten für Freiheit, Bequemlichkeit, Kommunikation, Sicherheit, Datenschutz und gesellschaftliche Teilhabe geordnet werden. Erst anschließend wird der gesamte Text erschlossen. Auf diese Weise entsteht aus einer lebensweltlichen Irritation eine ethische Problemstellung.

Für den Religionsunterricht bietet der Text zahlreiche Anknüpfungspunkte an anthropologische und ethische Grundfragen. Im Mittelpunkt kann die Frage stehen, was Selbstbestimmung unter den Bedingungen einer digitalisierten Lebenswelt bedeutet. Enzensbergers Kritik lässt sich mit Vorstellungen von Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung und Personalität verbinden. Die Lernenden können untersuchen, ob die Preisgabe persönlicher Daten lediglich eine individuelle Entscheidung darstellt oder ob damit weitergehende Fragen nach der Verfügung über die eigene Person verbunden sind. Aus christlicher Perspektive kann daran die Vorstellung der besonderen Würde und Unverfügbarkeit des Menschen angeschlossen werden. Ebenso kann diskutiert werden, welche Verantwortung Menschen für ihr eigenes Medienhandeln tragen und welche Verantwortung Unternehmen, Politik und Gesellschaft zukommt. Dadurch wird vermieden, Datenschutz lediglich als technische Frage zu behandeln. Er erscheint vielmehr als Bestandteil einer umfassenderen Auseinandersetzung mit Freiheit, Menschenwürde und verantwortlicher Lebensgestaltung.

Methodisch bietet sich zunächst eine arbeitsteilige Erschließung der zehn Regeln an. Einzelne Gruppen können jeweils eine oder mehrere Regeln untersuchen und die zentrale Behauptung, die verwendeten Argumente, das angesprochene Problem, die sprachlichen Mittel und die vorgeschlagene Handlungsweise bestimmen. Zusätzlich können die Lernenden zwischen sachlichen Argumenten, Werturteilen, Zuspitzungen und rhetorischen Provokationen unterscheiden. Gerade Formulierungen, mit denen Enzensberger digitale Unternehmen und Angebote bewusst drastisch charakterisiert, eignen sich für eine sprachkritische Analyse. Die Lernenden können untersuchen, welche Wirkung Ironie und Übertreibung erzielen und ob die polemische Gestaltung die Argumentation überzeugender macht oder ihre Überzeugungskraft begrenzt.

Besonders geeignet ist das Medium für die Förderung ethischer Urteilskompetenz. Dazu sollten die Lernenden Enzensbergers Forderungen nicht lediglich übernehmen oder zurückweisen, sondern anhand selbst entwickelter Kriterien prüfen. Eine mögliche Leitfrage lautet: „Wie viel digitale Bequemlichkeit ist uns der Verlust von Privatsphäre wert?“ Ebenso können Fragen wie „Kann ein kostenloser digitaler Dienst wirklich kostenlos sein?“, „Sind persönliche Daten Teil meiner Identität?“ oder „Welche Verantwortung trage ich selbst für meine digitale Privatsphäre?“ bearbeitet werden. Die zehn Regeln können dazu auf einer Zustimmungsskala eingeordnet werden. Entscheidend ist, dass die jeweilige Position anschließend argumentativ begründet wird. In einem zweiten Schritt können Lernende ihre Einschätzungen verändern, nachdem sie Gegenargumente kennengelernt haben. Dadurch wird sichtbar, dass ethische Urteilsbildung ein Prozess des Wahrnehmens, Argumentierens, Abwägens und begründeten Entscheidens ist.

Eine weitere Möglichkeit besteht in einer Gegenüberstellung von Freiheit und Sicherheit sowie Freiheit und Bequemlichkeit. Enzensberger stellt digitale Angebote vielfach als Tauschgeschäft dar, bei dem Menschen Komfort erhalten und dafür Daten, Aufmerksamkeit oder Privatsphäre preisgeben. Die Lernenden können diese Vorstellung auf konkrete Alltagssituationen übertragen und untersuchen, welche Güter miteinander konkurrieren. Daraus können Dilemmadiskussionen entstehen, beispielsweise zur Nutzung eines besonders komfortablen digitalen Dienstes, der umfangreiche persönliche Daten verlangt. Die Lernenden benennen zunächst die betroffenen Werte, formulieren unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten und entwickeln anschließend Kriterien für ein verantwortbares Handeln.

Da der Beitrag aus dem Jahr 2014 stammt, bietet sich außerdem eine historische Aktualisierung an. Die Lernenden können untersuchen, welche der angesprochenen Probleme weiterhin relevant erscheinen, welche digitalen Entwicklungen sich verändert haben und welche neuen Fragestellungen inzwischen hinzugekommen sind. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Enzensbergers damaligen Behauptungen und einer gegenwärtigen Bewertung. Gerade der zeitliche Abstand macht das Medium für eine kritische Medienbildung interessant. Lernende erfahren, dass Texte zur Digitalisierung immer auch in ihrem zeitlichen Kontext gelesen und ihre Aussagen anhand gegenwärtiger Kenntnisse überprüft werden müssen.

Für eine vertiefende Auseinandersetzung eignet sich die Methode des Perspektivwechsels. Lernende können eine Antwort auf Enzensberger aus der Perspektive einer Person verfassen, die digitale Medien intensiv nutzt, eines Unternehmens, einer Person aus dem Bereich Datenschutz oder einer christlich ethischen Position. Ebenso können sie Enzensbergers zehn Regeln in einen eigenen Kodex für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien umarbeiten. Dabei besteht die Aufgabe nicht darin, digitale Medien grundsätzlich abzulehnen, sondern Regeln zu entwickeln, die Freiheit, Kommunikation, gesellschaftliche Teilhabe, Datenschutz und Verantwortung miteinander verbinden. Als produktionsorientierter Abschluss eignen sich ein Manifest für digitale Selbstbestimmung, ein Kommentar, ein Podcast, ein Streitgespräch oder eigene zehn Regeln für ein gutes digitales Leben. Das Medium ist darüber hinaus gut als Klausurmaterial und Prüfungstext geeignet, da sich daran Argumentationsstruktur, Sprachgestaltung, Menschenbild, Freiheitsverständnis und ethische Position analysieren sowie Vergleiche mit christlichen oder anderen ethischen Positionen durchführen lassen.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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