RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
ISB

ISB

„Verbaler Saustall“ – Maximilian Schafroth zur Sprache der Politik

Veröffentlichung:1.1.2025

Das Medium „Verbaler Saustall: Maximilian Schafroth zur Sprache der Politik“ mit drei Seiten richtet sich an Lernende ab Klasse 11 und thematisiert Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit anhand der politischen Sprache und ihrer Bedeutung für die demokratische Kultur. Ausgangspunkt ist ein Ausschnitt aus der Fastenpredigt von Maximilian Schafroth auf dem Münchner Nockherberg aus dem Jahr 2024. Das Medium verfolgt das Ziel, den hohen Wert von Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit zu verdeutlichen und zugleich Schafroths kritische Beschreibung politischer Sprache als „verbaler Saustall“ zur Diskussion zu stellen. Für die etwa 15 Minuten umfassende Unterrichtseinheit ist ein Textausschnitt vorgesehen, der in Papierform oder über eine Präsentation eingesetzt werden kann. Der verfassungsrechtliche Bezug erfolgt über Art. 5 GG und Art. 110 BV. Im Mittelpunkt des Redeausschnitts auf Seite 3 stehen Schafroths Formulierungen von einer „Spirale der verbalen Hochrüstung“ und einer Entwicklung weg von Fakten und hin zur Emotion. Damit lenkt das Medium die Aufmerksamkeit auf die Frage, wie politische Sprache gesellschaftliche Auseinandersetzungen beeinflusst und welche Gefahren eine zunehmende sprachliche Zuspitzung für die Demokratie besitzen kann.

Products

Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen lebensnahen Zugang zu den Themen Sprache, Wahrheit, Verantwortung, Menschenwürde, Meinungsfreiheit und demokratische Streitkultur. Der Einstieg über Maximilian Schafroths Fastenpredigt ermöglicht es, zunächst die Wirkung politischer Sprache wahrzunehmen, bevor rechtliche und ethische Kriterien eingeführt werden. Das Material sieht vor, dass die Lehrkraft Schafroth sowie den Kontext des Redeausschnitts kurz vorstellt und die Lernenden anschließend in einer Murmelgruppe oder im Unterrichtsgespräch über seine Aussagen diskutieren. Methodisch kann der Text zunächst still gelesen werden. Die Lernenden markieren Formulierungen, die sie besonders auffällig, provozierend oder erklärungsbedürftig finden. Anschließend können erste Eindrücke gesammelt werden. Dabei sollte zunächst noch keine Bewertung durch die Lehrkraft erfolgen. Gerade die bildhafte und zugespitzte Sprache Schafroths eignet sich dazu, unterschiedliche Wahrnehmungen und Deutungen sichtbar zu machen.

Eine zentrale Formulierung ist die von Schafroth beschriebene „Spirale der verbalen Hochrüstung“. Das Medium fordert ausdrücklich dazu auf, diesen Ausdruck zu erklären und nach Beispielen für eine entsprechende politische Sprache zu suchen. Didaktisch bietet sich hier eine sprachliche Analyse an. Die Lernenden können zunächst untersuchen, welche Vorstellungen mit den Begriffen Spirale und Hochrüstung verbunden sind. Anschließend übertragen sie diese Bedeutung auf Sprache. Dabei kann herausgearbeitet werden, dass sprachliche Zuspitzung eine Dynamik entwickeln kann, bei der auf eine provokante Aussage eine noch stärkere sprachliche Reaktion folgt. Aus dieser Beobachtung ergibt sich die weiterführende Frage, ob eine solche Entwicklung sachliche politische Auseinandersetzungen erschwert.

Besonders ergiebig ist Schafroths Gegenüberstellung von Fakten und Emotionen. Im Redeausschnitt kritisiert er eine Entwicklung weg von Fakten und hin zur Emotion. Diese Aussage sollte im Unterricht differenziert behandelt werden. Emotionen sind nicht grundsätzlich problematisch und gehören zu politischer Kommunikation ebenso wie zu menschlichen Entscheidungsprozessen. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, was geschieht, wenn emotionale Zuspitzung sachliche Argumente verdrängt. Die Lernenden können untersuchen, woran sie eine sachliche Aussage, eine emotionale Aussage und eine bewusste sprachliche Provokation erkennen. Für eine vertiefende Übung können kurze fiktive politische Aussagen nach ihrer sprachlichen Wirkung geordnet und anschließend umformuliert werden. Dabei erfahren die Lernenden unmittelbar, wie Wortwahl und Tonfall die Wahrnehmung eines Sachverhaltes verändern können.

Religionspädagogisch bietet diese Auseinandersetzung einen geeigneten Zugang zur Bedeutung von Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die Lernenden können fragen, welche Verantwortung Menschen besitzen, wenn sie öffentlich sprechen und andere Menschen beeinflussen. Dabei kann zwischen einer überprüfbaren Tatsachenbehauptung, einer persönlichen Meinung und einer emotionalen Bewertung unterschieden werden. Diese Differenzierung ist für politische Kommunikation ebenso bedeutsam wie für soziale Medien und alltägliche Gespräche. Leitfragen können lauten: „Welche Verantwortung habe ich für das, was ich sage?“, „Muss eine Meinung auf Fakten beruhen?“, „Welche Rolle spielen Emotionen bei meiner Urteilsbildung?“ und „Was bedeutet Wahrhaftigkeit in einer öffentlichen Diskussion?“

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Frage nach den Gefahren eines „verbalen Saustalls“ für die Demokratie. Diese Fragestellung wird im Medium ausdrücklich als Gesprächsimpuls vorgeschlagen. Methodisch kann eine Kleingruppenarbeit eingesetzt werden, in der mögliche Folgen einer zunehmend aggressiven politischen Sprache gesammelt werden. Anschließend können die Ergebnisse geordnet werden. Dabei kann beispielsweise danach unterschieden werden, welche Auswirkungen eine bestimmte Sprache auf einzelne Personen, politische Gegner, gesellschaftliche Gruppen und die demokratische Öffentlichkeit haben kann. Ziel sollte nicht sein, bestimmte politische Positionen zu bewerten, sondern die sprachlichen Formen politischer Kommunikation zu untersuchen.

Für den Religionsunterricht ist dabei der Bezug zur Menschenwürde besonders bedeutsam. Meinungsfreiheit ermöglicht Kritik und auch deutliche Ablehnung politischer Positionen. Gleichzeitig kann danach gefragt werden, wann Kritik in persönliche Herabsetzung übergeht. Die Lernenden können Kriterien entwickeln, anhand derer sie zwischen Kritik an einer Position, Kritik an einer Handlung und der Abwertung einer Person unterscheiden. Damit wird Art. 5 GG mit einer ethischen Perspektive verbunden. Die Frage lautet dann nicht nur, was Menschen sagen dürfen, sondern auch, wie sie von ihrer Freiheit verantwortlich Gebrauch machen können.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die politische Satire. Das Medium fragt nach ihrem Sinn und nach weiteren bekannten Formaten. Als Hintergrund erläutert es die Tradition des Derbleckens auf dem Münchner Nockherberg, bei der politisch Verantwortliche seit 1891 kabarettistisch mit ihrem Verhalten konfrontiert werden. Viele der angesprochenen Personen befinden sich dabei selbst im Publikum. Die Tradition steht auch in Verbindung mit den sogenannten Gstanzln. Im Unterricht kann daran untersucht werden, welche gesellschaftliche Funktion Satire besitzt. Satire kann Macht kritisieren, Widersprüche sichtbar machen und politische Entwicklungen überspitzt darstellen. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach ihren Grenzen.

Das Material schlägt für eine größere Unterrichtseinheit sogar vor, gemeinsam Gstanzln für einen schulischen Anlass zu entwickeln. Dabei soll insbesondere die Abwägung zwischen Spott und Beleidigung berücksichtigt werden. Diese Idee eignet sich für einen handlungsorientierten Religionsunterricht. Die Lernenden können kurze satirische Texte zu fiktiven schulischen Situationen verfassen und anschließend gemeinsam prüfen, ob die Kritik einen Sachverhalt betrifft oder eine Person herabsetzt. Dabei sollten reale Lernende oder einzelne Mitglieder der Schulgemeinschaft nicht zum Gegenstand verletzender Satire gemacht werden. Entscheidend ist die Reflexion über Sprache und Verantwortung.

Der Bezug zu Art. 5 GG sollte anschließend dazu genutzt werden, die bisherigen Überlegungen verfassungsrechtlich einzuordnen. Das Medium sieht vor, dass die Lernenden reflektieren, welchen Wert Art. 5 GG aus der Perspektive Schafroths besitzt und welche Botschaft er politisch Verantwortlichen vermitteln möchte. Dabei kann herausgearbeitet werden, dass eine demokratische Gesellschaft offene politische Diskussion, Kritik und künstlerische Ausdrucksformen benötigt. Meinungsfreiheit schützt jedoch nicht nur angenehme oder allgemein akzeptierte Äußerungen. Gerade kontroverse gesellschaftliche Auseinandersetzungen machen die Bedeutung einer freien Streitkultur sichtbar.

Religionspädagogisch lässt sich diese Frage mit dem Umgang mit Konflikten und Verschiedenheit verbinden. Eine pluralistische Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass Menschen mit unterschiedlichen politischen, religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen miteinander kommunizieren können. Die Lernenden können deshalb Kriterien für eine verantwortliche Streitkultur entwickeln. Dazu können sachliche Argumentation, Zuhören, Respekt, Wahrhaftigkeit, die Bereitschaft zur Selbstkritik und die Achtung der Würde des Gegenübers gehören. Der Religionsunterricht kann damit einen Raum schaffen, in dem nicht Konfliktvermeidung, sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit Konflikten eingeübt wird.

Auch biblische Bezüge können die ethische Reflexion erweitern. Geeignet sind beispielsweise Texte zur Macht der Sprache, zu Wahrheit und Lüge oder zur Verantwortung für das eigene Reden. Ebenso können prophetische Texte einbezogen werden, in denen gesellschaftliche und politische Missstände in deutlicher Sprache kritisiert werden. Dabei kann untersucht werden, weshalb scharfe Kritik notwendig sein kann und worin dennoch ein Unterschied zwischen begründeter Kritik und menschenverachtender Sprache besteht. Dadurch wird deutlich, dass eine verantwortliche Sprache nicht zwangsläufig eine harmlose oder konfliktfreie Sprache sein muss.

Für die abschließende Reflexion eignet sich eine Positionierung zu Aussagen wie „In der Politik darf Sprache ruhig hart sein“ oder „Meinungsfreiheit braucht sprachliche Verantwortung“. Die Lernenden können sich zunächst individuell positionieren und anschließend ihre Entscheidung begründen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Satz „Eine demokratische Streitkultur braucht …“ zu vervollständigen. So wird der Blick von der Kritik an politischer Sprache auf konstruktive Kriterien gelenkt. Das Medium ermöglicht damit eine Verbindung von Grundrechtsbildung, Sprachsensibilität, Medienbildung und ethischer Reflexion. Im Religionsunterricht kann es insbesondere dazu beitragen, Meinungsfreiheit nicht als grenzenlose Beliebigkeit zu verstehen, sondern als wertvolles Freiheitsrecht, dessen verantwortliche Ausübung Wahrhaftigkeit, Kritikfähigkeit, Respekt und die Achtung der Menschenwürde voraussetzt.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 3. Gesellschaftlich-politische Verantwortung aus christlicher Motivation.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.