Didaktisch folgt die Handreichung einem ganzheitlichen Demokratieverständnis: Demokratie wird nicht auf politische Verfahren reduziert, sondern als Lebens- und Lernform verstanden, die Verantwortung, Beteiligung, Urteilsfähigkeit und Respekt vor der Würde jedes Menschen einschließt. Diese Perspektive bietet für den katholischen Religionsunterricht besonders fruchtbare Anschlussmöglichkeiten. Zentrale Prinzipien der christlichen Soziallehre – Menschenwürde, Gemeinwohlorientierung, Solidarität und Subsidiarität – korrespondieren eng mit den dargestellten Demokratiekompetenzen.
Die Handreichung gliedert sich in einen theoretischen Teil (Grundlagen, Kompetenzen und Handlungsfelder der Demokratiebildung) und einen umfangreichen Praxisteil mit Projekten aus Unterricht, Schulkultur und Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Gerade diese Praxisbeispiele sind für den Religionsunterricht gewinnbringend: Projekte zu Gedenktagen, interreligiösen Begegnungen, Antirassismusarbeit, Menschenrechten oder sozialem Engagement lassen sich unmittelbar mit religiös-ethischen Fragestellungen verknüpfen. Der Religionsunterricht kann hier als Reflexionsraum dienen, in dem demokratisches Handeln ethisch vertieft und im Licht biblischer Traditionen und religiöser Wertvorstellungen gedeutet wird.
Methodisch legt die Handreichung großen Wert auf partizipative, projekt- und handlungsorientierte Lernformen. Klassenrat, Schülervertretung, Planspiele, Begegnungsprojekte oder kreative Ausdrucksformen (Film, Theater, Kunst) fördern demokratische Kompetenzen durch eigenes Tun. Für den katholischen Religionsunterricht bedeutet dies, Demokratiebildung nicht nur kognitiv, sondern performativ zu gestalten: durch dialogische Lernformen, Perspektivenwechsel, Gewissensbildung und die bewusste Unterscheidung zwischen Person und Position. Besonders hervorzuheben ist die klare normativ-ethische Rahmung: Menschenfeindlichkeit, Extremismus und Diskriminierung werden nicht relativiert, sondern konsequent zurückgewiesen, während zugleich die Dialogfähigkeit mit Andersdenkenden eingeübt wird. Damit unterstützt die Handreichung einen Religionsunterricht, der Demokratie als Ausdruck verantworteter Freiheit und gelebter Nächstenliebe erfahrbar macht.