Trotz Verfolgung spielte der katholische Glaube eine zentrale Rolle. Polnische Priester, die nach Stalins Tod freigelassen, aber nicht in den europäischen Teil der UdSSR zurückkehren durften, fanden in Kamianka und Umgebung eine neue Aufgabe. Heimlich feierten sie Gottesdienste, hörten Beichte und stärkten die Gemeinde. Diese religiösen Treffen galten den Behörden als „antisowjetisch“. Priester und Gläubige wurden überwacht, verhört und erneut verhaftet, oft unter dem Vorwurf der „Spionage für den Vatikan“.
Der Erzähler berichtet von einer Schlüsselerfahrung 1957: Er versprach zwei Priestern, im Falle ihrer erneuten Verhaftung die Gemeinde zu leiten. Dieses Gelübde bestimmte sein Leben. Obwohl er ein einfacher Landarbeiter war und keinen Zugang zu einem Seminar bekam, hielt er die Gemeinde im Glauben zusammen. Auch persönliche Erlebnisse – Tanz, Musik und Freundschaften – sind Teil seiner Erinnerungen, die zeigen, dass trotz Repression Lebensfreude blieb.
Erst Jahrzehnte später, nach dem politischen Wandel, konnte er offiziell ins Priesterseminar eintreten, obwohl er bereits über 50 Jahre alt war. Schließlich wurde er katholischer Priester und feierte seine erste Messe mit den Menschen aus seinem Heimatdorf. Rückblickend sieht er seine jahrzehntelange Arbeit im Untergrund als „Priestertum vor dem Priestertum“ – ein Dienst an Gott und der Gemeinde, getragen von Glauben, Beharrlichkeit und Hoffnung.