Wilhelm Schwendemann analysiert Migration kirchengeschichtsdidaktisch als vielfältige Sammelbegriff, der sowohl freiwillige als auch Zwangsmigrationen umfasst. Migration wird definiert als längerfristige Verlagerung des Lebensmittelpunkts über größere Distanzen und administrative Grenzen. Der Artikel kritisiert den ideologisch geprägten Begriff der Völkerwanderung und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Migrationsforschung. Zentral ist die Unterscheidung zwischen Push- und Pullfaktoren, die Migrationsbewegungen erklären. Gewaltmigration umfasst Flucht, Vertreibung, Deportation und Umsiedlung, bei denen Menschen keine realistischen Handlungsalternativen haben. Der Autor dokumentiert historische Migrationsformen vom Sklaven- und Menschenhandel (9,5 Millionen Sklaven zwischen 1519-1867) bis zur kolonialen Ausbeutung in Amerika. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelte sich die Peuplierungspolitik als merkantilistische Migrationspolitik in Europa. Der Artikel betont, dass Migrationsnetzwerke und soziale Beziehungen entscheidend für Migrationsziele sind. Historiographie zeigt, dass Migrationsdaten oft nur indirekt aus den Diskursen von Herrschenden und Eliten erschließbar sind. Die Migrationsforschung untersucht räumliche Bevölkerungsbewegungen auf verschiedenen sozialen und räumlichen Ebenen epochenübergreifend. Schwendemann verbindet historische Migrationsforschung mit didaktischen Implikationen für Religionspädagogik und Kirchengeschichte.