Das Medium eignet sich besonders für die Sekundarstufe I und II und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht. Aus religiöser Perspektive können Fragen nach Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität, Gerechtigkeit, Verantwortung und dem Umgang mit Fremden vertieft werden. Methodisch folgt das Planspiel dem Prinzip des handlungsorientierten Lernens. Die Lernenden setzen sich intensiv mit ihren Rollen auseinander, erarbeiten Positionen, formulieren Argumente und verhandeln mit anderen Akteuren über mögliche Lösungswege. Dadurch erwerben sie politische Urteilsfähigkeit, Perspektivwechselkompetenz und kommunikative Fähigkeiten. Besonders wertvoll ist die Verbindung von sachlicher Analyse und ethischer Reflexion. Im Religionsunterricht kann das Planspiel beispielsweise durch biblische Texte zu Flucht, Fremdsein und Gastfreundschaft ergänzt werden. Ebenso bieten sich Vergleiche mit christlichen Grundwerten und kirchlichen Stellungnahmen zu Migration und Asyl an. Die Auswertungsphase besitzt eine zentrale Bedeutung, da hier die Erfahrungen aus den Rollen reflektiert und mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten verknüpft werden können. Die Lernenden erhalten die Möglichkeit, zwischen ihrer Rollenposition und ihrer persönlichen Haltung zu unterscheiden und eigene Standpunkte zu entwickeln. Das Planspiel fördert somit demokratisches Lernen, Empathie, Dialogfähigkeit und die Auseinandersetzung mit einer der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart.
Der Einstieg gelingt über die Erarbeitung der Rollenkarten. 23 Rollenkarten für europäische Ländervertretungen und Organisationen der EU sowie Journalisten sind ab Seite 19 im Material enthalten. Jede Rollenkarte enthält eine Position des Landes zur Migration und Argumente, um diese Position zu unterstützen sowie Arbeitsaufträge zum Erarbeiten der Informationen. Basierend auf diesen Grundlagen diskutieren die Länder ein Abkommen zum Umgang mit Migrationspolitik innerhalb der EU.
Der Diskurs beginnt mit der Eröffnungsrede des Präsidenten des europäischen Rates und der Vorstellung der Positionen der Länder. Dann wird eine offene Debatte zu den Positionen durchgeführt, um eine Einigung durch einen Kompromiss zu finden. Weitere Runden der Aussprache sind möglich. Es folgt eine Abstimmung zum erreichten Kompromiss.
Dazu entstehen in den jeweiligen Phasen Presseberichte.
Das letzte Material 7 enthält Lösungsvorschläge wie eine Quoten Regelung für Migration in jedes Land der EU. Natürlich ist auch eine Militarisierung von Frontex und eine Schließung der Grenzen als Ergebnis im Diskursprozess möglich. Basierend auf den Rollenkarten ist es jedoch unwahrscheinlich.
M1 Ablaufplan Planspiel
Dieses Material enthält den zeitlichen und organisatorischen Ablauf des gesamten Planspiels. Die Lernenden erhalten einen Überblick über die einzelnen Phasen wie Vorbereitung, Eröffnungsrunde, Verhandlungen, Abstimmung, Presseberichte und Auswertung. Im Unterricht dient der Ablaufplan als Orientierungshilfe und unterstützt die Strukturierung des Lernprozesses.
M2 Szenario Die Asyl und Flüchtlingspolitik in der EU
Das Szenario bildet den inhaltlichen Ausgangspunkt des Planspiels. Die Lernenden setzen sich mit den Ursachen von Flucht und Migration, den Herausforderungen an den europäischen Außengrenzen sowie den unterschiedlichen politischen Positionen innerhalb der Europäischen Union auseinander. Im Unterricht wird das Szenario gemeinsam gelesen und analysiert, um eine gemeinsame Wissensgrundlage für die spätere Simulation zu schaffen.
M3 Rollenkarten
Die Rollenkarten bilden das Herzstück des Planspiels. Die Lernenden übernehmen die Rollen verschiedener Staaten, der Europäischen Kommission, des Europäischen Rates sowie von Medienvertreterinnen und Medienvertretern. Jede Rolle enthält Informationen zur jeweiligen Position, Argumentationslinien und Arbeitsaufträge. Im Unterricht erarbeiten die Lernenden ihre Position, verfassen Redebeiträge und vertreten ihre Interessen in den Verhandlungen.
Folgende Rollen sind vorgesehen:
Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Europäische Kommission, Präsidentin oder Präsident des Europäischen Rates, Freie Journalistin oder freier Journalist, Pressevertretung von PRO ASYL, Journalistin oder Journalist des UN Flüchtlingshilfswerks UNHCR.
M4 Geschäftsordnung des Europäischen Rates
Dieses Material regelt die Diskussions und Verfahrensabläufe während des Gipfels. Die Lernenden erfahren, wie politische Sitzungen strukturiert werden, wie Wortmeldungen erfolgen und wie Entscheidungen vorbereitet werden. Die Geschäftsordnung sorgt für einen geordneten Ablauf der Debatten.
M5 Abschlusserklärung
In diesem Material wird das Verhandlungsergebnis dokumentiert. Die Lernenden formulieren gemeinsam die Beschlüsse des Gipfels und halten fest, ob und wie ein Kompromiss erreicht wurde. Im Unterricht dient die Abschlusserklärung als sichtbares Ergebnis der politischen Verhandlungen.
M6 Glossar zum Planspiel
Das Glossar erklärt zentrale Begriffe wie Asyl, Flüchtling, Frontex, Schengen Raum, Dublin System oder Genfer Flüchtlingskonvention. Es unterstützt die fachliche Arbeit und hilft den Lernenden, politische und rechtliche Fachbegriffe sicher zu verwenden.
M7 Lösungsvorschläge
Dieses Material bietet mögliche politische Maßnahmen und Lösungsansätze für die europäische Flüchtlingspolitik. Im Unterricht kann es als Impuls genutzt werden, wenn die Verhandlungen ins Stocken geraten. Die Vorschläge helfen den Lernenden, Kompromisse zu entwickeln und politische Handlungsoptionen zu bewerten.
Typischer Unterrichtsablauf
1. Fachliche Einführung
Die Lernenden erarbeiten Grundlagen zu Flucht, Migration, Menschenrechten, Asylrecht und europäischer Flüchtlingspolitik anhand der thematischen Einführung und des Szenarios.
2. Rollenarbeit
Die Gruppen lesen ihre Rollenkarten, analysieren Interessen und Ziele ihrer Akteure und bereiten Statements für die Eröffnungsrunde vor.
3. Eröffnungsrunde
Alle Delegationen stellen ihre Positionen vor. Die Mediengruppen beobachten und dokumentieren die Debatte.
4. Verhandlungen
Die Lernenden diskutieren im Plenum und in kleineren Gruppen über mögliche Lösungen. Dabei erleben sie politische Entscheidungsprozesse, Interessenkonflikte und Kompromissfindung.
5. Abstimmung und Gipfelergebnis
Die Delegationen einigen sich auf eine gemeinsame Erklärung oder stellen fest, dass keine Einigung möglich ist. Das Ergebnis wird schriftlich festgehalten.
6. Reflexion und Auswertung
Im Religionsunterricht ist diese Phase besonders bedeutsam. Die Lernenden reflektieren Fragen wie:
Welche Verantwortung tragen wohlhabende Staaten gegenüber Flüchtlingen?
Was bedeutet Menschenwürde in der Flüchtlingspolitik?
Wie lassen sich Sicherheit und Humanität miteinander verbinden?
Welche Rolle spielen christliche Werte wie Nächstenliebe, Solidarität und Gerechtigkeit?
Dabei werden die Erfahrungen aus dem Planspiel mit ethischen, politischen und religiösen Fragestellungen verbunden.