Blogcast von Bible Project zum Thema „Was bedeutet es, nach Rechtschaffenheit zu streben?“ (aus Matthäus 5,6):
Kernaussage
„Rechtschaffenheit“ bedeutet im biblischen Sinne nicht primär individuelles moralisches Verhalten, sondern den aufrichtigen, gerechten und liebevollen Umgang mit anderen Menschen und mit Gott. Jesus ruft in der Bergpredigt dazu auf, nach dieser Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten – sie ist so grundlegend wie Essen und Trinken.
Theologische Hintergründe
Begriffsklärung: Rechtschaffenheit = hebr. Zedaka und griech. Dikaiosyne → meint Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Großzügigkeit im Sinne von Beziehungsgerechtigkeit.
Matthäus 5,6: „Glücklich sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.“
Jesus spricht nicht von privater Heiligkeit, sondern von einem menschlichen Grundbedürfnis nach aufrichtigen Beziehungen.
Rechtschaffenheit in der hebräischen Bibel
Ursprung in der Schöpfung: Mensch als Ebenbild Gottes in guter Beziehung zu Gott, Mitmenschen und Schöpfung.
Sündenfall (Genesis 3): Bruch dieser Beziehungen, Selbsterhaltung tritt an die Stelle von Vertrauen.
Gottes Reaktion: Er gibt dem Volk Israel Gebote, die auf gerechtes Miteinander zielen (z. B. durch das mosaische Gesetz).
Prophetischer Ruf (Jesaja 55): Gott ruft sein Volk immer wieder zurück zum Weg des aufrichtigen Miteinanders.
Rechtschaffenheit in der Bergpredigt
Jesus lehrt eine radikale, aber tief in der hebräischen Bibel verwurzelte Lebensweise:
Frieden stiften
Bedürftigkeit vor Gott anerkennen
gerechte Beziehungen leben
Die „Gerechtigkeit“ ist mehr als Regelbefolgung: Es geht um das Herz, um Liebe, um Hingabe an andere.
Kritik an Pharisäern: Sie halten äußerlich das Gesetz, missachten aber die Armen.
Jesus als Vorbild
Jesus lebte selbst diese Gerechtigkeit:
Er stellte Unterdrückte auf
Er kritisierte Machtmissbrauch
Er gab sein Leben als radikalsten Ausdruck der Liebe
Sein Tod zeigt sowohl die Gewalt der Welt als auch Gottes gnädige Entschlossenheit, die Beziehung wiederherzustellen.
Zielbild: Das Reich Gottes
Wer nach dieser Gerechtigkeit hungert, wird zufrieden sein.
Die „wiederhergestellte Menschheit“ lebt in einer Welt ohne Gewalt, Ausgrenzung oder Unterdrückung.
Das Reich Gottes ist ein Ort des aufrichtigen Miteinanders, zu dem Jesus alle Menschen einlädt.