Im Zentrum steht ein multiperspektivischer und problemorientierter Zugang: Die Lernenden arbeiten in einem Gruppenpuzzle-Format sowohl in Expert*innen- als auch in Stammgruppen. Anhand historischer Biografien (z. B. eines Landwirts, einer Dienstbotin oder eines Arbeiters) analysieren sie originale Quellen wie Briefe, um Ursachen, Motive und Erfahrungen der Auswandernden im 19. Jahrhundert zu erschließen. Diese Erkundungsphase wird ergänzt durch die Arbeit mit Podcasts, digitalen Tools wie Etherpad (für gemeinsame Notizen), einem Zeitstrahl-Tool und einer digitalen Karte zur Darstellung der Migrationswege.
Der Einstieg gelingt durch ein kurzes Video und eine gemeinsame Leitfrage: „Sind deutsche Auswanderungen damals und heutige Fluchtbewegungen vergleichbar?“ Die Schülerinnen und Schüler sammeln erste Kriterien zur Analyse (z. B. Fluchtursachen, Integrationsprozesse, rechtliche Rahmenbedingungen) und hören im Anschluss einen Einführungspodcast zur deutschen Auswanderungsgeschichte. In der mehrstündigen Arbeitsphase recherchieren sie arbeitsteilig historische Fälle und bereiten ihre Erkenntnisse visuell und argumentativ auf.
Als Hausaufgabe und Brücke zur Gegenwart hören sie einen weiteren Podcast zur heutigen Flüchtlingsmigration und übertragen die Kriterien des historischen Vergleichs auf die aktuelle Situation. In den abschließenden Stunden präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse, vergleichen historische und gegenwärtige Perspektiven und reflektieren in einem kreativen Schreibauftrag, wie ein heutiger Auswanderungsbrief aussehen könnte.
Die Einheit fördert neben historischen Kompetenzen auch Medien-, Methoden- und Urteilskompetenz. Sie ist für etwa vier bis sechs Schulstunden konzipiert und eignet sich besonders für die Jahrgangsstufen 9 bis 11 in den Fächern Geschichte, Politik oder Geographie. Alle Materialien stehen online unter einer Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung und lassen sich flexibel und differenziert im Unterricht einsetzen.