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Bistum Osnabrück

Bistum Osnabrück

Menschliche Seiten

Veröffentlichung:1.1.2016

Die Unterrichtseinheit „Menschliche Seiten“ mit 51 Seiten in vier Teilen behandelt die Werke der Barmherzigkeit im Unterricht oder in der Gemeindearbeit. Im Zentrum steht ein innovatives Konzept, das biblische Texte mit gesellschaftlicher Wirklichkeit und pädagogischer Praxis verbindet. Ausgangspunkt ist das bekannte Gleichnis aus Matthäus 25,31–46, in dem Jesus sechs konkrete Handlungen der Barmherzigkeit nennt – den Hungrigen zu essen geben, den Durstigen zu trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte bekleiden, Kranke besuchen und Gefangene nicht vergessen.

Das Medium „Menschliche Seiten“ ist eine religionspädagogische Arbeitshilfe zu den Werken der Barmherzigkeit im Matthäusevangelium (Mt 25,31 bis 46). Im Mittelpunkt stehen sechs lebensgroße Figurenaufsteller mit auffälligen Warnschildern, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen darstellen. Die Figuren greifen die biblischen Aussagen „Ich war hungrig“, „Ich war durstig“, „Ich war fremd und obdachlos“, „Ich war nackt“, „Ich war krank“ und „Ich war im Gefängnis“ auf und übertragen sie in die Gegenwart. Die umfangreiche Arbeitshilfe ergänzt die Figuren durch biblische Texte, Hintergrundinformationen, Impulse, Gebete, methodische Anregungen sowie zahlreiche Unterrichtsbausteine für Schule, Gemeinde und Jugendarbeit. Ziel ist es, Lernende für menschliche Not, christliche Barmherzigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zu sensibilisieren und sie dazu anzuregen, den Zusammenhang zwischen Glaube und praktischem Handeln zu entdecken.

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Das Medium eignet sich in besonderer Weise für den Religionsunterricht der Sekundarstufe, für die Firmvorbereitung, für die Jugendarbeit sowie für Projekte im Bereich Diakonie und Sozialethik. Es eröffnet einen lebensnahen Zugang zu den Werken der Barmherzigkeit und verbindet biblisches Lernen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen. Die lebensgroßen Figuren erzeugen bereits beim ersten Betrachten Aufmerksamkeit und laden dazu ein, innezuhalten, Fragen zu stellen und über eigene Einstellungen nachzudenken. Gerade die ungewöhnlichen Warnschilder schaffen Irritationen und regen zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Menschenwürde an.

Ein sinnvoller Unterrichtseinstieg besteht darin, die Figuren ohne weitere Erläuterungen im Klassenraum oder an einem öffentlichen Ort zu präsentieren. Die Lernenden beschreiben zunächst ihre Beobachtungen, formulieren Vermutungen über die dargestellten Situationen und deuten die Aussagen der Warnschilder. Erst anschließend wird der Bezug zum Matthäusevangelium hergestellt. Dadurch erleben die Lernenden, dass biblische Texte unmittelbar mit heutigen Lebenswirklichkeiten verbunden sind.

Im weiteren Unterricht können die sechs Werke der Barmherzigkeit jeweils einzeln bearbeitet werden. Zu jeder Figur bietet die Arbeitshilfe zahlreiche Impulse, die aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen. Themen wie Hunger, Armut, Trinkwasserversorgung, Flucht, Wohnungslosigkeit, Krankheit, psychische Belastungen, Einsamkeit, Menschenwürde, Gewalt, Gefängnis, Sucht oder Ausgrenzung werden mit biblischen Texten verknüpft und eröffnen vielfältige Gesprächsanlässe. Dabei wird deutlich, dass Barmherzigkeit weit über spontane Hilfsbereitschaft hinausgeht und eine grundlegende Haltung christlicher Verantwortung beschreibt.

Methodisch eröffnet das Medium zahlreiche Möglichkeiten handlungsorientierten Lernens. Die Lernenden können in Gruppen jeweils eine Figur erschließen, Bibelstellen untersuchen, Rollenspiele entwickeln, Interviews vorbereiten oder Standbilder gestalten. Ebenso eignen sich Schreibgespräche, Placemat Methoden, Perspektivwechsel oder kreative Schreibaufgaben, in denen die Figuren selbst ihre Geschichte erzählen. Die Arbeitshilfe regt außerdem dazu an, die Figuren in Kirchen, Schulgebäuden oder öffentlichen Räumen aufzustellen und dort mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Dadurch überschreitet das Lernen den Klassenraum und wird zu einer erfahrbaren Begegnung mit gesellschaftlicher Verantwortung.

Besonders wertvoll ist die Verbindung von Bibelarbeit und sozialem Lernen. Die Lernenden setzen sich nicht nur mit dem Gleichnis vom Weltgericht auseinander, sondern entdecken zahlreiche weitere biblische Bezüge aus dem Alten und Neuen Testament, etwa den barmherzigen Samariter, die Seligpreisungen, die Speisung der Vielen oder Jesu Heilungsgeschichten. Dadurch erkennen sie die Barmherzigkeit als roten Faden der gesamten biblischen Botschaft.

Das Medium eignet sich ebenso hervorragend für projektorientiertes Lernen. Ausgehend von den Figuren können Begegnungen mit sozialen Einrichtungen vorbereitet werden, beispielsweise mit der Tafel, der Caritas, Einrichtungen für Wohnungslose, Flüchtlingsunterkünften, Krankenhäusern oder Besuchsdiensten. Die Lernenden erfahren auf diese Weise, dass christlicher Glaube immer auch konkrete Verantwortung für Mitmenschen bedeutet. Gleichzeitig fördern die vielfältigen Materialien Empathie, Perspektivwechsel, Urteilsfähigkeit und die Bereitschaft, sich selbst für andere einzusetzen.

Im Religionsunterricht bietet das Medium darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten zur persönlichen Glaubensreflexion. Die Lernenden setzen sich mit Fragen auseinander wie: Wo begegnet mir Christus heute? Wer wird übersehen? Was bedeutet Menschenwürde? Was heißt Barmherzigkeit in meinem Alltag? Wie kann ich selbst Verantwortung übernehmen? Dadurch wird der Unterricht nicht nur wissensorientiert, sondern eröffnet Räume für ethisches Lernen, spirituelle Vertiefung und die Entwicklung einer christlich geprägten Haltung.

Ein zentrales Element der Arbeitshilfe sind lebensgroße Holzfiguren mit zugehörigen, teils provokanten „Warnschildern“, etwa „Achtung Armut – Ansteckungsgefahr!“ oder „Würde streng verboten!“. Diese Figuren wurden in Kooperation mit einer Berufsschule und einer Fachklinik hergestellt und können über die Medienstellen des Bistums ausgeliehen werden. Sie eignen sich für den Einsatz im Religionsunterricht ebenso wie für Projekttage, Firmvorbereitung oder Präsentationen im öffentlichen Raum. Die Figuren machen auf Menschen in Not aufmerksam und regen zur Auseinandersetzung mit sozialer Gerechtigkeit und christlichem Handeln an.

Die Arbeitshilfe gliedert sich in vier Teile. Der erste Teil bietet eine Sammlung biblischer Bezüge, thematisch geordneter Bibelstellen sowie eine Vielzahl an weiterführenden Links, Literatur- und Materialtipps. Der zweite Teil enthält theologische, gesellschaftskritische und spirituelle Impulse zu jedem der sechs Werke der Barmherzigkeit. Dabei werden klassische Nöte – wie Hunger, Krankheit oder Obdachlosigkeit – ebenso behandelt wie moderne Formen von Ausgrenzung und Bedürftigkeit, etwa psychische Erkrankungen, Vereinsamung oder soziale Kälte. Es geht stets darum, christliche Grundhaltungen wie Mitgefühl, Anteilnahme und Solidarität in einen aktuellen Kontext zu stellen.

Der dritte Teil bietet konkrete didaktische Anregungen für die pädagogische Praxis. Dazu gehören Unterrichtsbausteine, kreative Methoden, szenische Darstellungen sowie Module zur Jugendarbeit. Themen wie Flucht, Armut oder Wohnungsnot können anhand der Materialien lebensnah und interaktiv vermittelt werden. Auch Vorschläge zur liturgischen Gestaltung oder zur Verknüpfung mit Fastenzeit und Gemeindearbeit sind enthalten. Der vierte Teil dokumentiert schließlich die Ausstattung und Einsatzmöglichkeiten der Figuren und Materialien, inklusive Transporthinweisen und digitaler Begleitangebote.

Die Arbeitshilfe versteht Barmherzigkeit nicht als bloßes Moralthema, sondern als zentrale christliche Lebenshaltung. Sie will Lernende, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ermutigen, soziale Not wahrzunehmen und daraus Konsequenzen für das eigene Handeln zu ziehen. Damit eignet sie sich besonders für den Religionsunterricht an weiterführenden Schulen, aber auch für fächerübergreifende Projekte im Bereich Ethik, Sozialwissenschaften oder politische Bildung. Lehrkräfte finden hier eine fundierte, praxisnahe und kreative Unterstützung für eine engagierte und menschennahe religiöse Bildung.

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