Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium insbesondere zur Auseinandersetzung mit christlicher Sozialverantwortung, Solidarität, Gerechtigkeit und der Frage, wie christliche Überzeugungen gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln prägen können. Die biografische Perspektive ermöglicht einen lebensweltlich orientierten Zugang, da die Lernenden zunächst untersuchen können, welche Erfahrungen Raiffeisen mit Armut, Hunger und wirtschaftlicher Unsicherheit machte und wie daraus konkrete Formen sozialen Engagements entstanden. Dabei sollte die Beschäftigung mit seiner Biografie nicht auf die Wiedergabe historischer Daten beschränkt bleiben. Vielmehr können die Lernenden herausarbeiten, welche Probleme Raiffeisen wahrnahm, welche Verantwortung er daraus ableitete und weshalb er gemeinschaftliche Selbsthilfe einer rein individuellen Lösung vorzog. Die Zeitleiste auf Seite 3 bietet sich hierfür als strukturierendes Element an und kann von den Lernenden zunächst selbstständig oder in Partnerarbeit ergänzt werden. Anschließend können einzelne Lebensstationen ausgewählt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Entwicklung seiner sozialen Vorstellungen untersucht werden. Besonders ergiebig für den Religionsunterricht ist die anschließende Arbeit mit dem Zitat, nach Raiffeisens Überzeugung seien soziale und wirtschaftliche Zustände dadurch zu verbessern, dass christliche Prinzipien in freien Genossenschaften zur Geltung kommen. DRV 200 Jahre Raiffeisen - Lebe… Die Lernenden können zunächst klären, welche christlichen Prinzipien damit gemeint sein könnten, und diese beispielsweise mit Nächstenliebe, Solidarität, Verantwortung, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe in Beziehung setzen. Anschließend bietet sich eine Urteilsaufgabe an: Die Lernenden diskutieren, ob wirtschaftliches Handeln soziale Verantwortung übernehmen muss und welche Bedeutung gemeinschaftliches Handeln heute besitzt. Raiffeisens Aussage „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“ eignet sich hierfür als pointierter Gesprächsimpuls. Das Material selbst beschreibt eine Genossenschaft als gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb, der die wirtschaftliche oder soziale Förderung seiner Mitglieder verfolgt und auf Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung beruht. DRV 200 Jahre Raiffeisen - Lebe… Methodisch lässt sich daran eine Gruppenarbeit anschließen, in der aktuelle Beispiele gemeinschaftlichen Wirtschaftens untersucht und hinsichtlich Solidarität, Eigenverantwortung und Gemeinwohl beurteilt werden. Ebenso kann ein Transfer auf die Lebenswelt der Lernenden erfolgen, etwa mit der Frage, welche Probleme in Schule, Gemeinde oder Gesellschaft gemeinsam besser gelöst werden können als allein. Denkbar ist zudem die Planung einer eigenen kleinen genossenschaftlichen Initiative. Das Medium regt selbst den Besuch einer Genossenschaft, die Erstellung einer Reportage und sogar Überlegungen zur Gründung einer Genossenschaft an. DRV 200 Jahre Raiffeisen - Lebe… Auf diese Weise lässt sich historisches Lernen mit ethischer Urteilsbildung und handlungsorientiertem Religionsunterricht verbinden. Zugleich eröffnet das Material Möglichkeiten für fächerübergreifendes Arbeiten mit Geschichte, Wirtschaft, Deutsch und Kunst, die bereits in den ausgewiesenen Lernzielen des Unterrichtsbausteins angelegt sind. DRV 200 Jahre Raiffeisen - Lebe…