Guardini schaut mit dem Glauben auf die Welt. Geschichte, Kultur und Gesellschaft wird von ihm aus der Sicht des Glaubens gedeutet. Dadurch entsteht ein Idee von christlicher Weltanschauung und dem Kern des Glaubens. Das Wesen des Christentums ist Jesus Christus selbst. Es ist nicht eine Lehre, eine Moral. Alles andere an der Religion ist sekundär. Die persönliche Beziehung zu Jesus ist primär, so Guardini. Dieser Gedanke wurde ihm durch seinen Bezug zur Individualität möglich. Dieser Gedanke war zu Guardinis Zeit neu.
Martin Brüske stellt die drei Theologen vor, die ihn am stärksten beeinflusst haben. In dieser Folge: Romano Guardini (1885 - 1968).
Guardini gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der katholischen Weltanschauung des 20. Jahrhunderts, besonders in den Bereichen der Liturgie, der Religionsphilosophie, der Pädagogik, der Ökumene und der allgemeinen Geistesgeschichte. Seine christlich-existenziellen Auslegungen kirchlicher und weltlicher Philosophen und Dichter wie Rilke, Raabe und Dostojewski wurden und werden sowohl von Katholiken wie von Protestanten geschätzt.
Die Eindringlichkeit und anschauliche Differenziertheit seiner existenziellen Darstellungen des Denkens und Lebens eines Sokrates, Platon, Augustinus, Dante Alighieri, Pascal, Kierkegaard oder Friedrich Nietzsche waren und sind überzeugende Beispiele für seine Fähigkeit, den Zusammenhang zwischen Denken und Dasein zu erkennen und diesen philosophisch und theologisch analysierend dem Leser nahezubringen. Dieser lebendige Zusammenhang verbunden mit einer dem Menschen dienenden Philosophie und Theologie bestimmen auch seine eigenen Schriften.