Dem Glauben trauen? Kann man auch dem Autor trauen? Man kann. Dabei stört die unfrisierte Themenanordnung. Hat der Verlag keinen Lektor mehr? Ich vermute: Der Tübinger Dogmatiker hat vorhandene, hoch konzentriert dargestellte Einzelthemen, von denen er vermutet, sie könnten seinen Leserinnen und Lesern das Vertrauen schwer machen, in einer eher lockeren Anordnung – Den Glaube trauen, Gott sich anvertrauen, Dem Leben trauen, Sich zu hoffen trauen – gereiht. Wie bei allen geistlichen Texten gilt es, die eine oder andere schwierige Passage oder Fremdheitsgefühle auszuhalten; dann entfaltet das Gesagte seinen eigenen Drall, es zieht mit. Die Frage bleibt freilich, ob jemand vertrauen kann. Kann man die zahlreichen (auch jungen) Zeitgenossen, die sich als religiös unbegabt verstehen, so leichthin aus dem Kreis der Angesprochenen ausgrenzen, wie dies auf den ersten Seiten geschieht? Wäre es nicht sinnvoller, deren Defizite ebenso anzusprechen, wie den möglichen Gewinn aus dem Trauen plausibel zu machen? Das Leben eines zum Vertrauen Unfähigen scheint mir durchaus kein Zuckerschlecken zu sein. Vielleicht ist das zu viel verlangt: Der Autor ist kein Fundmentaltheologe, sondern Dogmatiker. Und als solcher ist Hilberath sehr überzeugend und solide; da kann man ihm trauen. Ihm geht es um eine Art zeitgemäßer Orthodoxie. Das zeigt sich schon an den Quellen: biblischen, dem Zweiten Vatikanum („Gaudium et spes“), Papst Franziskus („Evangelii gaudium“) und zeitgenössischen, nicht nur theologischen und gut gefundenen Textkonzentraten. Um Hilberaths Einstellung genau zu benennen: Da spricht jemand zu leicht irritierten, durchaus gutwilligen Christen. Also spricht er wohl zu Leserinnen und Lesern dieses Heftes und zeigt ihnen die Weite der heute möglichen Erlebnisräume eines gelingenden Glaubens als „Antwortgeschichte“. Die Weite der Einzelthemen reicht von adventlichen Meditationen bis zum kirchlichen Changemanagement oder zur Flüchtlingshilfe. Das Religiös-Eigene zu sagen und mitten in die Welt zu stellen, das ist ja auch die Arbeit von Religionslehrerinnen und -lehrern. Religionsunterricht für Religionslehrer kann guttun. Das zentrale theologisches Kapitel heißt: Gnade vor allem. Daraus entsteht schnell das klassische ökumenische Gespräch um die Grenzen von Leistung und Gesetz. Dabei werden freilich nicht die Kontroversen markiert, sondern das Ergebnis als Argument referiert – ein sinnvoller Ansatz! Nebenbei erleben wir ein Monument der Predigttätigkeit von Laien/Theologen, wie man es mittlerweile geradezu unter Denkmalschutz stellen müsste. Ostfildern: Grünewald Verlag. 2016 160 Seiten 14,99 € ISBN 978-3-7867-3063-7