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Katholische Akademie Bayern

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Kardinal Michael von Faulhaber und die Juden

Veröffentlichung:1.6.2021

Der Fachartikel umfasst 4 Seiten und untersucht die ambivalente Haltung Faulhabers gegenüber Judentum und Nationalsozialismus. Zentrale theologische Probleme sind das Verhältnis von Christentum und Judentum, die Unterscheidung zwischen vorchristlichem und nachchristlichem Judentum sowie die Frage nach christlicher Verantwortung gegenüber verfolgten Juden. Der Artikel zeigt, dass Faulhaber einerseits rassistischen Antisemitismus ablehnte, andererseits aber in traditionellen antijudaistischen Denkmustern verhaftet blieb und keine konsequente Solidarität mit Juden entwickelte.

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Der Artikel analysiert die widersprüchliche Haltung Kardinal Faulhabers gegenüber Juden und dem Nationalsozialismus. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Faulhaber die Reichspogromnacht nur knapp in seinen Tagebüchern erwähnte und dabei vor allem eine Bedrohung der Katholiken wahrnahm. Diese Gleichsetzung von jüdischem und katholischem Leid wird aus heutiger Sicht kritisch bewertet.

Faulhaber galt vor 1933 und nach 1945 als Freund der Juden. Dies beruhte auf seiner Ablehnung von rassistischem Antisemitismus sowie auf seiner theologischen Wertschätzung des Alten Testaments. Als ehemaliger Professor für Altes Testament erkannte er die religiöse Bedeutung Israels für das Christentum an und verteidigte die Einheit von Altem und Neuem Testament gegen nationalsozialistische Angriffe. Besonders seine Adventspredigten von 1933 stärkten seinen Ruf als Judenfreund, da er darin die jüdischen Wurzeln des Christentums betonte und rassistische Ideologien zurückwies.

Gleichzeitig zeigt der Artikel, dass Faulhabers Haltung klare Grenzen hatte. Er unterschied zwischen einem positiv bewerteten vorchristlichen Judentum und einem negativ betrachteten nachchristlichen Judentum. Dabei griff er auf traditionelle antijudaistische Vorstellungen zurück, etwa die Idee einer göttlichen Strafe für das jüdische Volk. Diese Denkweise führte dazu, dass seine scheinbar pro jüdischen Positionen relativiert wurden.

Im Nationalsozialismus wurde diese Problematik besonders deutlich. Faulhaber lehnte die rassistische Umdeutung von Religion grundsätzlich ab und setzte sich für getaufte Juden ein, die er als Christen betrachtete. Für nicht getaufte Juden zeigte er jedoch keine vergleichbare Solidarität. Seine Haltung beruhte auf einer Trennung zwischen nichtarischen Christen und Juden, wodurch er zwar kirchliche Interessen verteidigte, aber die umfassende Verfolgung der Juden nicht konsequent verurteilte.

Auch während der Deportationen blieb diese Differenz bestehen. Faulhaber engagierte sich seelsorgerisch für katholische Betroffene, lehnte jedoch ein öffentliches Eintreten für alle Juden ab. Diese Position entsprach weitgehend der Haltung der katholischen Kirche insgesamt.

Der Artikel erklärt diese Ambivalenz durch mehrere Faktoren. Erstens verstand sich Faulhaber als unpolitischer Geistlicher, obwohl seine Rolle faktisch politisch war. Zweitens führte ein taktisches Verhalten dazu, dass klare öffentliche Stellungnahmen vermieden wurden. Drittens spielte die Angst vor Repressionen gegen die Kirche eine wichtige Rolle. Viertens priorisierte die Kirche eigene Interessen wie Bildung und kirchliche Strukturen gegenüber der Verteidigung verfolgter Juden.

Insgesamt zeigt der Artikel, dass Faulhabers Haltung von theologischen Unterscheidungen, institutionellen Interessen und politischen Ängsten geprägt war. Seine Ablehnung des Rassismus konnte daher nicht zu einer konsequenten Opposition gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung führen.

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