Der Artikel beschreibt die Entwicklung der friedensethischen Haltung der römisch katholischen Kirche gegenüber Atomwaffen und atomarer Abschreckung. Ausgangspunkt ist die aktuelle Debatte, die Papst Franziskus angestoßen hat. Er fordert eine Welt ohne Atomwaffen und erklärt nicht nur ihren Einsatz, sondern auch ihren Besitz für moralisch problematisch. Dabei betont er die Verantwortung aller Staaten, Religionsgemeinschaften und gesellschaftlichen Gruppen, gemeinsam für Abrüstung einzutreten.
Der Verfasser zeigt, dass die katholische Soziallehre sich nicht nur an Gläubige richtet, sondern an alle Menschen guten Willens. Deshalb versucht die Kirche, ihre friedensethischen Argumente mit allgemeiner Vernunft zu begründen. Die Päpste wenden sich seit vielen Jahrzehnten gegen Aufrüstung und warnen vor den Folgen eines Atomkrieges. Besonders seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Beginn des Kalten Krieges wurde die Gefahr atomarer Massenvernichtung zu einem zentralen Thema der kirchlichen Friedensethik.
Der Artikel erläutert die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg. Diese erkennt das Recht auf Verteidigung grundsätzlich an, fordert aber die Einhaltung moralischer Grenzen. Dazu gehören der Schutz der Zivilbevölkerung und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Wegen der enormen Zerstörungskraft von Atomwaffen sieht die Kirche diese Bedingungen jedoch als kaum erfüllbar an.
Eine wichtige Rolle spielt das Motiv der „Frist“, das auf das Zweite Vatikanische Konzil zurückgeht. Damit ist gemeint, dass atomare Abschreckung nur vorübergehend geduldet werden könne, solange ernsthafte Abrüstungsbemühungen stattfinden. Die Kirche verband diese Duldung immer mit der Forderung nach Rüstungskontrolle und schrittweiser Abschaffung der Atomwaffen.
Der Verfasser erklärt, dass diese Bedingungen heute nach Ansicht vieler kirchlicher Vertreter nicht mehr erfüllt sind. Abrüstungsverträge werden gekündigt oder nicht verlängert und Atommächte modernisieren weiterhin ihre Waffenarsenale. Deshalb sieht die Kirche die Zeit gekommen, nicht nur den Einsatz, sondern auch den Besitz von Atomwaffen moralisch abzulehnen.
Außerdem beschreibt der Artikel die Rolle internationaler Organisationen, der katholischen Kirche und der Zivilgesellschaft im Kampf gegen Atomwaffen. Besonders hervorgehoben wird die Verantwortung der Öffentlichkeit, politischen Druck auf Regierungen auszuüben. Auch Soldatinnen und Soldaten werden angesprochen, da sie in Konflikte zwischen militärischem Gehorsam und moralischem Gewissen geraten können. Die Kirche soll ihnen seelsorgliche Unterstützung bieten und sie ermutigen, sich an der öffentlichen Diskussion über Abrüstung zu beteiligen.
Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass die Forderung nach Abschaffung der Atomwaffen keine plötzliche Kehrtwende der Kirche darstellt. Vielmehr entwickelt die katholische Soziallehre ihre friedensethischen Grundsätze konsequent weiter und fordert einen weltweiten Prozess der Abrüstung und internationalen Zusammenarbeit.