Der Artikel von Axel Wiemer untersucht die religionspädagogische Vermittlung des Teufels/Satans und zeigt zunächst auf, dass etwa 24 Prozent der Jugendlichen (Stand 1990) an die Existenz eines Teufels glauben. Das Thema kann im Unterricht durch verschiedene Anlässe erschlossen werden: durch spontane Schülerfragen, durch Artikulation dualistischer Weltbilder, durch interreligiöse Kontexte (besonders Islam) und durch Auseinandersetzung mit Satanismus. Wiemer plädiert dafür, historische Teufelsdarstellungen aus der Distanz zu betrachten und mediale Darstellungen des Bösen (wie in Harry Potter, Herr der Ringe oder Star Wars) als Zugänge zur Thematik zu nutzen. Ein zentrales Anliegen ist die Kritik an der anachronistischen Projektion des mittelalterlichen geschlossenen Teufelskonzepts auf biblische Texte. Die biblische Tradition zeigt ein vielgestaltiges Verständnis des Bösen: Das hebräische ‚Satan' bedeutet zunächst ‚Widersacher' und bezieht sich auf menschliche Gegner oder einen Engel im Dienste Gottes. Im Hiob-Prolog agiert der Satan als Prüfer und Ankläger, nicht als Gegenspieler Gottes, und gehört zum göttlichen Hofstaat. Erst in hellenistischer Zeit entwickelt sich ein dualistisches Verständnis, das Gott von der Verantwortung für das Böse entlastet. Das Neue Testament verwendet neben ‚Satanas' auch ‚Diabolos' und stellt Satan als stärkeren Gegenspieler dar, ohne dabei einheitlich zu sein – Jesus nach Lukas sieht die Entmachtung des Satans bereits verwirklicht. Die Versuchungsgeschichten Jesu zeigen seine Vollmacht und sein Vorbild für Gläubige durch Treue zu Gottes Wort. Wiemer betont, dass für den heutigen Unterricht eine historische und sachkritische Perspektive erforderlich ist, die die innerneutestamentliche Vielfalt und die Entwicklungsgeschichte würdigt.