Der Artikel behandelt die Systemtheorie als Universaltheorie der Sozialwissenschaften, die soziale Phänomene auf Kommunikationsmuster, Selbstreferentialität und Codierungen zurückführt und dabei von der Kontingenz von Beobachtungen ausgeht. Historisch wird die Entwicklung der Systemtheorie von Talcott Parsons über Niklas Luhmann nachgezeichnet, wobei Einflussfaktoren wie Gregory Batesons Kommunikationsforschung, Claude Shannons Informationstheorie und Walter Cannons Konzept des Fließgleichgewichts genannt werden. Als zentrale Merkmale von Systemen werden identifiziert: die grundlegende Existenz von Systemen als Forschungsgegenstände, die Selbstreferentialität oder Autopoiesis, durch die sich Systeme selbst erhalten und prägen, sowie die Grenzziehung zwischen System und Umwelt durch spezifische Kommunikationsmuster. Luhmann entwickelte das Konzept der Funktionssysteme der Gesellschaft, die hohe gesellschaftliche Relevanz besitzen und sich gegenseitig durchdringen. Der Artikel betont die Anwendbarkeit der Systemtheorie auf religionspädagogische Analysen, die dadurch Beobachtungen dekonstruieren und Begründungsmuster aufschlüsseln können. Als Universaltheorie muss sich die Systemtheorie jedoch auch dem theologischen Anspruch stellen, die Frage nach einem gelingenden Leben zu bewahren. Der interdisziplinäre Nutzen wird durch Konzepte wie Sozio-Theologie und Sozio-Religionspädagogik demonstriert.