Der Artikel behandelt die Synagoge als zentrales Element jüdischen Lebens und religiöser Praxis. Der Begriff synagoge stammt aus dem Griechischen (Septuaginta) und bezeichnet ursprünglich eine Versammlung oder einen Versammlungsort, später auch proseuche (Gebetshaus). Die historischen Ursprünge werden in das Babylonische Exil (6. Jahrhundert v. Chr.) datiert, wobei die genaue Entstehung in der Forschung umstritten ist. Das Neue Testament belegt frühe Synagogen in Palästina, wo Jesus lehrte und Paulus predigte. Nach der Tempelzerstörung 70 n. Chr. entwickelte sich die Synagoge zur zentralen Institution des rabbinischen Judentums. Historisch waren Synagogen ambivalenten Bedingungen ausgesetzt: Während sie von umgebenden Kulturen architektonisch beeinflusst wurden, unterlagen sie zugleich staatlichen Repressalien, kulminierend in der Reichspogromnacht 1938. In halachischen Bestimmungen gilt die Synagoge als heiliger Ort, dessen Heiligkeit sich primär durch die Toralesung und das Torastudium definiert. Die Raumgestaltung ist typischerweise nach Jerusalem ausgerichtet mit dem Toraschrein (aron ha-kodesch) an der Ostwand. Während orthodoxe Gemeinden räumliche Geschlechtertrennung praktizieren (Frauenemporen), verzichten Reformgemeinden darauf. Synagogen besitzen keine spezifische charakteristische Architektur, sondern adaptieren Stile ihrer Umgebung. Heute bilden Synagogen häufig Zentren größerer jüdischer Gemeindekomplexe mit Kultur-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen und eröffnen neue Chancen für interreligiöses Lernen.