Der Artikel behandelt religiöse Sozialisation als Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in Abhängigkeit vom sozialen Umfeld und dessen religiösen Institutionen. Riegel betont das dialektische Verhältnis zwischen sozialer Determination und individueller Aktivität: Menschen sind nicht nur Produkte ihrer Umgebung, sondern gestalten diese kreativ mit. Der Begriff Sozialisation wird in weiter (alle Prozesse des Hineinwachsens in Gesellschaft) und enger (unbeabsichtigte, alltägliche Aneignung) Verwendung erläutert. Es wird zwischen primärer Sozialisation (Frühen Kindheit), sekundärer Sozialisation (Kindes- und Jugendalter), tertiärer Sozialisation (Erwachsenenalter) und quartärer Sozialisation (Seniorenalter) unterschieden. Religiöse Sozialisation wird als lebenslanger Prozess verstanden. Die Familie erfüllt drei Funktionen: Wissensvermittlung, Praxiserfahrung durch Modellernen und die Ermöglichung von Grunderfahrungen wie Vertrauen. Allerdings zeigen empirische Daten erhebliche Veränderungen: Bewusste religiöse Erziehung findet seltener statt, religiöse Praxis wird individualisiert und situativ an konkrete Anlässe gebunden. Die Gemeinde fungiert als institutionalisierter Ort christlicher Praxis und ganzheitlicher Sozialisationsraum. Weitere Sozialisationsagenten sind religiöse Erziehung in der Schule und mediale Rezeption von Religion.