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Ekiba

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Tut mir auf die schöne Pforte

Veröffentlichung:1.1.2020

Das Werkbuch „Tut mir auf die schöne Pforte“ mit 96 Seiten versteht Kirchenräume als spirituelle Schätze, deren Bedeutung weit über den Sonntagsgottesdienst hinausreicht. Viele Menschen betreten eine Kirche heute spontan, beim Stadtspaziergang, auf Reisen oder in Momenten persönlicher Suche. Offene Kirchen bieten ihnen Orte der Stille, der Sammlung und der individuellen Gottesbegegnung. Besucher tragen ihre Erfahrungen häufig in Gebets- und Gästebüchern ein, was zeigt, dass Kirchen auch ohne Gottesdienst zu Orten des Trostes, der Erinnerung und des spirituellen Erlebens werden können.

Das Werkbuch „Tut mir auf die schöne Pforte“ erschließt evangelische Kirchen als Glaubenszeugnisse, öffentliche Räume und Orte persönlicher Spiritualität. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass Kirchengebäude weit über den sonntäglichen Gottesdienst hinaus Bedeutung besitzen. Sie können Menschen zur Ruhe führen, Trost vermitteln, Erinnerungen wachrufen und eine individuelle Begegnung mit Gott ermöglichen. Das Werkbuch erläutert zunächst theologische und praktische Gründe für die Öffnung von Kirchen. Dabei werden Gastfreundschaft, verlässliche Öffnungszeiten, Sicherheit, Versicherungsschutz und die Begleitung durch ehrenamtlich Mitarbeitende behandelt. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit der ästhetischen, liturgischen und baugeschichtlichen Gestaltung von Kirchenräumen. Ein gedanklicher Kirchgang führt vom Gebäude im öffentlichen Raum über den Weg zur Kirche, die Schwelle und den Eingangsbereich bis zum Altarraum. Ausführlich betrachtet werden Altar, Kanzel, Taufstein, Kreuz, Bibel, Kerzen, Blumen, Paramente, Bänke, Stühle und Orte für das persönliche Gebet. Wiederkehrende Wahrnehmungsfragen regen dazu an, die Wirkung des Raumes, seine theologische Aussage und mögliche Störungen kritisch zu untersuchen. Ergänzt wird das Werkbuch durch Ausführungen zu Architektur und Kunst sowie durch eine spirituelle Reise durch die Klosterkirche Bad Herrenalb und ein Rollenspiel zur gemeinsamen Beratung über Veränderungen in einem Kirchenraum.


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Das Werkbuch eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe, für die Konfirmandenarbeit, die kirchenpädagogische Projektarbeit und die Erwachsenenbildung. Es kann in Unterrichtsvorhaben zu Kirche, Gottesdienst, Gebet, evangelischem Kirchenverständnis, religiösen Räumen, gelebter Religion, Kunst, Architektur und individueller Spiritualität eingesetzt werden. Wegen des Umfangs und der fachlichen Sprache sollte das Werkbuch nicht vollständig als fortlaufende Lektüre verwendet werden. Sinnvoller ist eine Auswahl einzelner Abschnitte, Abbildungen, Wahrnehmungsfragen und Praxisbeispiele. Die Auswahl sollte sich am Alter der Lernenden, an ihren religiösen Vorerfahrungen und an der erreichbaren Kirche orientieren.

Als Einstieg können Fotografien unterschiedlicher Kirchenräume gezeigt werden. Die Lernenden beschreiben zunächst ausschließlich, was sie sehen, bevor sie Vermutungen über Bedeutung und Wirkung äußern. Dadurch wird zwischen Beobachtung und Deutung unterschieden. Anschließend sammeln sie Begriffe wie still, fremd, einladend, feierlich, dunkel, hell, leer, geschützt oder bedrückend. Diese Wahrnehmungen können mit der zentralen Aussage des Werkbuchs verbunden werden, dass ein Kirchenraum ohne gesprochene Worte etwas mitteilt. Eine leitende Frage könnte lauten: Wie kann ein Raum vom Glauben erzählen? Persönliche Äußerungen sollten freiwillig bleiben, da Lernende Kirchen sehr unterschiedlich erleben und religiöse Erfahrungen nicht eingefordert werden dürfen.

Besonders ergiebig ist die Verbindung der Textarbeit mit einer Erkundung einer Kirche. Vor dem Besuch bilden die Lernenden Arbeitsgruppen, die jeweils einen Bereich untersuchen. Eine Gruppe beobachtet den Weg zur Kirche und ihre Lage im Ort. Weitere Gruppen beschäftigen sich mit Portal und Schwelle, Eingangsbereich, Sitzordnung, Licht, Farben, Geräuschen, Kunstwerken, Altarraum oder Gebetsort. Die Wahrnehmungsfragen des Werkbuchs können dafür gekürzt und in Beobachtungsaufträge übertragen werden. Wichtig ist, dass die Lernenden zunächst langsam und möglichst schweigend durch den Raum gehen. Sie suchen einen Ort, an dem sie sich gerne aufhalten, und einen Ort, den sie als unangenehm oder unverständlich empfinden. Danach halten sie ihre Eindrücke schriftlich, zeichnerisch oder mit einer Raumskizze fest. Fotografien sollten nur nach vorheriger Absprache mit der Gemeinde angefertigt werden.

Eine weitere Methode ist der Perspektivwechsel. Die Lernenden erkunden den Raum aus der Sicht eines Gemeindemitglieds, eines Kindes, eines Menschen ohne christliche Sozialisation, einer Person mit eingeschränkter Mobilität, eines kunsthistorisch interessierten Gastes oder eines Menschen, der Trost und Stille sucht. Anschließend vergleichen sie, welche Bedürfnisse die verschiedenen Personen an eine offene Kirche haben. So wird deutlich, dass ein Kirchenraum zugleich Gottesdienstraum, Kulturdenkmal, öffentlicher Ort, Erinnerungsraum und persönlicher Rückzugsort sein kann. Mögliche Spannungen zwischen diesen Funktionen bieten einen guten Anlass für Urteilsbildung.

Die Kapitel zu Altar, Kanzel und Taufstein ermöglichen eine Verbindung von Raumwahrnehmung und theologischer Deutung. Die Lernenden können untersuchen, wo sich die zentralen Gegenstände befinden, worauf die Blickrichtungen der Sitzplätze zulaufen und welche Bedeutung dadurch hervorgehoben wird. Passende Bibeltexte zu Taufe, Abendmahl, Verkündigung, Gebet und Gastfreundschaft vertiefen die Erschließung. Dabei sollte nicht nur nach der kirchlichen Funktion gefragt werden, sondern auch danach, was ein Gegenstand durch Material, Form, Höhe, Farbe und Position ausdrückt. Ein Vergleich mit katholischen, orthodoxen oder modernen multifunktionalen Kirchenräumen eröffnet Möglichkeiten zum konfessionellen und interreligiösen Lernen.

Das Kapitel zum Gebetsort kann für eine handlungsorientierte Unterrichtsphase genutzt werden. Die Lernenden entwickeln in Gruppen einen Entwurf für einen Ort der Stille und des Gebets. Sie entscheiden über Standort, Sitzmöglichkeiten, Licht, Kerzen, Bibel, Gebetstexte und die Möglichkeit, Anliegen aufzuschreiben. Jede Entscheidung muss ästhetisch, praktisch und theologisch begründet werden. Dabei können auch Brandschutz, Barrierefreiheit, Datenschutz bei persönlichen Gebetsanliegen und die Einbindung in den vorhandenen Kirchenraum thematisiert werden. Die Entwürfe werden anschließend vorgestellt und anhand gemeinsam entwickelter Kriterien beurteilt. Dadurch verbindet die Aufgabe religiöse Deutung, Gestaltungskompetenz und verantwortliches Entscheiden.

Das im Werkbuch enthaltene Rollenspiel eignet sich für eine kontroverse Diskussion über die Umgestaltung oder Öffnung einer Kirche. Mögliche Rollen sind Gemeindeleitung, Denkmalpflege, Pfarramt, Kirchenmusik, Jugendvertretung, Architektur, Nachbarschaft und Besuchende. Die Lernenden erarbeiten Interessen und Argumente ihrer Rolle und führen anschließend eine Beratung durch. In der Auswertung unterscheiden sie zwischen sachlichen Argumenten, persönlichen Vorlieben, theologischen Überzeugungen und praktischen Anforderungen. Als Lernprodukt kann ein begründeter Vorschlag für die Öffnung und Gestaltung einer konkreten Kirche entstehen.

Die spirituelle Kirchenreise sollte als freiwilliges Wahrnehmungsangebot gestaltet werden. Musik, kurze Impulse, bewusstes Gehen, Stille und ausgewählte Bibelworte können den Raum erfahrbar machen. Lernende müssen jedoch jederzeit die Möglichkeit haben, eine beobachtende Position einzunehmen. Eine religiöse Handlung darf nicht als Leistungsanforderung erscheinen. Zur Nachbereitung eignen sich ein persönlicher Wahrnehmungstext, ein Brief an den Kirchenraum, eine Klangsammlung, eine Bildfolge oder die Gestaltung einer Einladung für Menschen, die selten eine Kirche besuchen. Den Abschluss kann die Frage bilden, unter welchen Voraussetzungen eine Kirche tatsächlich als offen erlebt wird. So führt die Arbeit mit dem Medium von der Wahrnehmung über die Deutung zur begründeten Gestaltung und zum eigenen Urteil.


Damit Kirchen tatsächlich solche Erfahrungen ermöglichen, müssen sie zuverlässig geöffnet sein. Das Werkbuch betont die Bedeutung klar sichtbarer Öffnungszeiten, einladender Eingangssituationen und einer Atmosphäre, die Wertschätzung ausdrückt – etwa durch geöffnete Türen, Blumen oder Kerzen. Zugleich weist es auf notwendige Sicherheitsmaßnahmen hin: Kult- und Kunstgegenstände sollen geschützt, überflüssige Gegenstände entfernt und technische Anlagen gesichert werden. Die Erfahrung der Landeskirche zeigt jedoch, dass Schäden selten auftreten und dass lebendige Nutzung der beste Schutz vor Vandalismus ist.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ästhetischen und liturgischen Gestaltung offener Kirchen. Der Kirchenraum kommuniziert – durch Architektur, Licht, Materialien, Möblierung und Ordnung. Damit diese „Sprache“ klar hörbar bleibt, gilt es, Störendes zu entfernen und die ursprüngliche Aussage des Raumes freizulegen. Kirchenpädagogik und ästhetische Bildung helfen dabei, den Raum bewusst zu erschließen. Ein stimmiger Kirchenraum führt Menschen in die Stille, ermöglicht Orientierung und lädt zum persönlichen Glauben ein.

Da heutige Besucher*innen zunehmend individuelle Formen der Spiritualität suchen, empfiehlt das Werkbuch klare Orte für persönliches Gebet. Diese „Liturgien ohne Liturgen“ sollen einfache und verständliche Handlungen ermöglichen: Kerzen entzünden, Gebetsanliegen in ein Buch schreiben, Texte lesen oder meditieren. Solche Gebetsorte müssen sorgfältig gestaltet, sparsam ausgestattet und eindeutig ausgerichtet sein – idealerweise auf den Altar und das Kreuz.

Das Werkbuch führt zudem in die architektonischen und geschichtlichen Dimensionen von Kirchenräumen ein. Es beschreibt ihre städtebauliche Wirkung, die Bedeutung von Proportionen, Lichtführung, Materialien und historischen Elementen. Ein Exkurs zeigt, wie unterschiedliche Bauphasen, theologische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen, von der Nachkriegszeit über die funktionalen Gemeindezentren der 1960er Jahre bis zur Wiederentdeckung des Heiligen – heutige Kirchen geprägt haben.

Schließlich enthält das Werkbuch praktische Hilfen: einen „Kirchgang“, der die wichtigsten Zonen des Raumes erklärt (Eingang, Wegeführung, Altarraum, Paramente, Bänke), Hinweise zur Zusammenarbeit mit Bauämtern sowie Materialien für spirituelle Angebote wie nächtliche Kirchenführungen oder Rollenspiele zur Raumwahrnehmung. Insgesamt will es Gemeinden ermutigen, ihre Kirchen bewusst als offene, gastfreundliche und liturgisch sprechfähige Räume zu gestalten, die Menschen in ihrer Suche nach Ruhe, Sinn und Gottesnähe begleiten.

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