Der Artikel von Stefan Altmeyer analysiert die Herausforderungen des katholischen Religionsunterrichts in Deutschland im Kontext einer pluralen und säkularisierten Gesellschaft. Ausgehend von grundsätzlichen Begründungsfragen werden die historischen und prinzipiellen Probleme des Religionsunterrichts aufgezeigt: das Spannungsverhältnis zwischen partikularen religiösen Traditionen und allgemeiner Bildung, zwischen Individualisierung und institutionalisiertem Unterricht, zwischen konfessioneller Bindung und pluraldemokratischen Strukturen sowie die Frage nach dem gesellschaftlichen Nutzen religiöser Bildung. Der Autor macht deutlich, dass Religionsunterricht als eine abhängige Variable zu verstehen ist, die sich unter wechselnden kulturellen, sozialen, politischen und kirchlichen Bedingungen neu legitimieren muss. Als Schlüsselkonzept wird ein zweiachsiges Koordinatensystem eingeführt, in dem Religion und Bildung als bestimmende Variablen fungieren. Auf der Achse Religion werden vier konzeptionelle Grundtypen unterschieden: anthropologische (Religion als menschliche Grundausstattung), phänomenologische (Dimensionen von Religion), funktionale (psychische/soziale Funktionen) und substanzielle Zugänge (inhaltlicher Kern). Auf der Achse Bildung werden nach Wolfgang Klafki verschiedene Bildungstheorien zwischen objektiver und subjektiver Orientierung differenziert. Dieses Koordinatensystem erlaubt es, unterschiedliche Modelle von Religionsunterricht theoretisch zu verorten und ihre jeweilige Begründungslogik zu analysieren. Der Artikel betont, dass die Begründungsverpflichtung des Religionsunterrichts sich letztlich in der schulischen Praxis bewähren muss, und dass religionspädagogisches Denken kontinuierlich aufgefordert ist, den Religionsunterricht angesichts gegenwärtiger Veränderungen neu zu durchdenken.