Der Artikel behandelt die bibeldidaktische Erschließung von Propheten und Prophetinnen für Kinder und Jugendliche. Propheten werden definiert als von Gott Berufene, die den Gotteswillen dem Volk und den Mächtigen verkünden, etymologisch abgeleitet vom hebräischen nabiʹ (Rufer, Verkünder). Der Artikel differenziert zwischen religionsgeschichtlichen Gegebenheiten wie mantischen Praktiken des Alten Orients und der biblischen Darstellung von Prophetie als göttlicher Institution nach Dtn 18,14-22. Die Bibel zeigt eine große Vielfalt von Propheten und Prophetinnen, einschließlich Mirjam, Debora, Hulda und männlicher Propheten wie Samuel, Elija und Elischa, sowie verschiedene Typen wie Hofpropheten, Tempelpropheten und freie oppositionelle Einzelpropheten. Die prophetische Botschaft ist geprägt durch die gesellschaftliche und religiöse Situation; Propheten wie Amos, Hosea, Micha und Jeremia kritisieren soziale Missstände, fordern Gerechtigkeit und warnen vor Gottes Gericht als Strafe. Nach der Zerstörung Jerusalems 586 v.Chr. verändert sich die prophetische Botschaft: Deuterojesaja verkündet bedingungslose Gottes-Zuwendung, Einheit Gottes und universales Heil, während Jeremia und Ezechiel einen neuen Bund verheißen, der die menschliche Gottesbeziehung verwandelt. Die prophetischen Visionen eines von Gott gewirkten zukünftigen Heils entwickeln sich zu Utopien universalen Friedens und werden mit der Messiaserwartung verbunden. Ein Proprium der israelitischen Prophetie ist die schriftliche Tradierung von Prophetenworten in Prophetenbüchern, die über Jahrhunderte von Tradenten erweitert und aktualisiert wurden.