Der Artikel von Britta Konz behandelt die zunehmende Bedeutung postkolonialer Theorien für die deutsche Theologie und insbesondere für die Kirchengeschichtsdidaktik. In der deutschen Migrationsgesellschaft werden koloniale Herrschaftsmuster und struktureller Rassismus durch die Präsenz von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen sichtbar, wie die Bewegungen #BlackLivesMatter und #metwo demonstrieren. Postkoloniale Ansätze sind keine einheitliche Theorie, sondern umfassen vielfältige methodologische Herangehensweisen, die auf kulturelle Deutungen des Kolonialismus fokussieren und Wissens- sowie Herrschaftspraktiken analysieren. Der Begriff "postkolonial" oscilliert zwischen "danach" und "darüber hinaus" und verweist auf fortdauernde neokoloniale Abhängigkeitsverhältnisse. Ein Kernthema ist epistemische Gewalt, also die gewaltsame Etablierung europäischen Denkens und die Unterdrückung indigener Wissenssysteme durch Kolonialismus. Postkoloniale Theorien problematisieren vereinfachte Täter-Opfer-Dichotomien und zeigen vielfältige Widerstandspraktiken auf. Sie hinterfragen den Mythos westlicher Moderne als alleinige Errungenschaft. Schulen und Kirchen reproduzieren koloniale Ausgrenzungsdynamiken, indem sie Schwarze Schüler und Menschen marginalisieren und nur aus weißer Perspektive über Kolonialismus lehren. Die Autorin plädiert dafür, dass Kirchengeschichtsdidaktik postkoloniale Anliegen aufgreift, um eine kritische Reflexion über geschichtliche Verstrickungen und strukturellen Rassismus zu fördern. Dies erfordert eine Dekolonisierung des Lehrplans und eine stärkere Berücksichtigung von Perspektiven aus dem globalen Süden.