Die Kirchenpädagogik etablierte sich als didaktisches Modell um 1998 mit dem Ziel, kirchliche Räume als geschichtliche Formäußerungen für strukturierte Lernprozesse nutzbar zu machen. Sie verfolgt einen mehrdimensionalen Zugriff, der von Raumzeichen und Anmutungsqualitäten auf Liturgie, Geschichte, Kultur und religiöse Inhalte schließt. Der Artikel zeigt, dass die Kirchenpädagogik wichtige Impulse aus der Museumspädagogik erhielt, die seit den 1960er-Jahren rezipientenorientierte Vermittlungsmodelle entwickelt hatte. Parallelen zwischen Museums- und Kirchenraum führten zu einem Transfer methodisch-didaktischer Ansätze, wodurch Kirchenführer zu Regisseuren kreativer Lernprozesse wurden. Besonders in Ostdeutschland führte der Traditionsabbruch religiöser Bildung zu innovativen, interaktiven Vermittlungsmethoden, während in Westdeutschland niederschwellige sinnliche Zugangsweisen im Vordergrund standen. Die Zielgruppen variieren je nach Spielart: Touristen, Konfirmanden, Schulklassen und Gemeindeglieder. Die Kirchenpädagogik ermöglicht fächerübergreifende Projekte zwischen Religion, Kunst und Geschichte sowie die Vernetzung traditionell getrennter Lernorte Schule und Gemeinde. Sie erlaubt es, religiöse Räume als Orte gelebter Religion zu erfahren und persönliche religiöse Biografien zu reflektieren.