Der Artikel behandelt Liturgiedidaktik als religionspädagogisches Konzept, das die Vermittlung christlicher Gottesdienste und ritualisierter Vollzüge im Unterricht systematisiert. Das Kompositum verbindet zwei Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungsspektren: Liturgie stammt aus dem Griechischen und bezeichnete ursprünglich kultischen und diakonischen Dienst, wurde aber nicht für christliche Gemeindeversammlungen verwendet. Erst ab dem 16. Jahrhundert bürgerte sich der Begriff für christliche Gottesdienste ein. Der Artikel skizziert die biblisch-theologische Spannung zwischen Kultik und Ethik und zeigt, wie die reformatorischen und katholischen Traditionen den Liturgiebegriff unterschiedlich prägen. Didaktik wird hier breit als Kunst verstanden, Inhalte so aufzuschließen, dass Lernende diese anverwandeln und ihre Urteilsfähigkeit entwickeln können. Der Artikel differenziert zwischen der orthodoxen Göttlichen Liturgie als unmittelbare Heilszueignung, der katholischen Messe, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil partizipative Elemente einbezog, und den evangelischen Gottesdienstagendem, die flexible Gestaltung ermöglichen. Während in orthodoxer und katholischer Perspektive Liturgie selbst bildende Funktion hat, ergeben sich im Protestantismus spezifische Möglichkeiten für explizite liturgiedidaktische Vermittlung. Der Artikel konstatiert, dass sich Religionspädagogen bisher kaum systematisch mit Liturgiedidaktik auseinandergesetzt haben, obwohl dies für gegenwärtige Religionspädagogik relevant ist.