Der Artikel analysiert die Implementierung von Kompetenzorientierung im Religionsunterricht als Reaktion auf die Bildungsreform des Jahres 2003. Basierend auf Franz Weinerts Kompetenzdefinition werden Kompetenzen als kognitive und sozio-emotionale Fähigkeiten verstanden, die es Schülern ermöglichen, Probleme zu lösen und sich in verschiedenen Situationen verantwortungsvoll zu verhalten. Die Religionspädagogik hat diesen allgemeinen Kompetenzbegriff früh aufgegriffen und ihn fachspezifisch erweitert. Wegweisende Arbeiten stammen von Ulrich Hemel (1988) zum Konzept religiöser Kompetenz sowie von der Deutschen Bischofskonferenz und der evangelischen Bildungsplankommission (2004). Das einflussreichste Modell wurde von der Experten-Gruppe im Comenius-Institut entwickelt, die zwölf religiöse Kompetenzen mit Gegenstandsbereichen und Erschließungsdimensionen verknüpfte. Dieses Modell prägt bis heute Abiturprüfungsanforderungen, Kerncurricula und Lehrwerke. Die religionsdidaktische Rezeption des Kompetenzbegriffs schärfte nicht nur die Umsetzbarkeit im Unterricht, sondern führte auch zu kontroversen Diskussionen über Reichweite, Chancen und Grenzen kompetenzorientierter Religionspädagogik. Der Artikel stellt fest, dass die Kompetenzorientierung in der Unterrichtspraxis oft eher als nomenklatorischer Überbau fungiert, während traditionelle Wissensvermittlung weiterhin dominiert. Die zentrale Herausforderung besteht darin, kompetenzorientierte Ansätze als praktische Instrumente für Planung und Realisierung von Religionsunterricht bereitzustellen.