Der Artikel analysiert Hinduismus im englischen Religionsunterricht und erörtert sowohl die Gründe für seine Unterrichtsintegration als auch die methodischen Herausforderungen. Rechtlich ist die Behandlung des Hinduismus durch den Education Reform Act von 1988 verankert, der die Berücksichtigung bedeutender Religionsgemeinschaften verpflichtend vorsieht. Mit etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung zählt die Hindu-Gemeinde zu den sechs hauptsächlichen Religionstraditionen in Großbritannien. Pädagogisch wird die Vermittlung von Hinduismus mit mehreren Zielen begründet: Förderung von Toleranz, Anerkennung von Schüleridentitäten, Vorbereitung auf plurale Gesellschaften sowie akademische Reflexion über Religionskonzepte jenseits des christlich-abrahamischen Paradigmas. Im Curriculum wird Hinduismus von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II gelehrt, wobei die Prüfungsanforderungen auf GCSE- und A-Level-Ebene thematische Schwerpunkte wie Ultimate Reality, Praktiken, Befreiungswege und zeitgenössische Fragen setzen. Ein zentrales Spannungsfeld betrifft die Authentizität der Darstellung: Hindu-Aktivisten kritisieren teilweise oberflächliche oder stereotype Darstellungen, insbesondere zur Vielgötterei, Kastensystem und Frauenrechten, während umgekehrt eine zu positive Darstellung als unkritisch wahrgenommen wird. Der Artikel zeigt, dass verschiedene Hindu-Organisationen wie die Hindu Academy und ISKCON Educational Services divergierende Interpretationen des Hinduismus in Bildungskontexten vertreten, was die Frage nach der Autorität zur Interpretation aufwirft – ob Insider (Hindus selbst) oder Außenstehende (Wissenschaftler) die legitimeren Deutungshoheit haben. Dies wird exemplarisch an Konflikten um Schulbücher und an der Gründung von Hindu-Schulen wie der Avanti Schools Trust verdeutlicht, wo spezifische theologische Traditionen wie Gaudiya Vaishnavismus den Lehrplan prägen.