Alexander Weihs analysiert in seinem Artikel den biblischen Herz-Begriff als zentralen didaktischen Gegenstand des Religionsunterrichts. Er zeigt zunächst, dass Schülerinnen und Schüler durch ihre Lebenswelt (Popsongs, digitale Kommunikation, Werbung) bereits mit metaphorischen und symbolischen Herz-Verständigungen vertraut sind. Dies bietet Anknüpfungspotenziale für bibeldidaktische Prozesse. Allerdings wird deutlich, dass das biblische Herz-Verständnis wesentlich differenzierter ausfällt: Während die alltägliche Rede von Herz emotional aufgeladen ist, versteht die biblische Tradition das Herz primär als Sitz von Denken, Vernunft und Urteilsfähigkeit. Das Herz ist nach biblischer Auffassung das zentrale noëtische Erkenntnisorgans des Menschen (zu sehen in Texten wie Gen 17,17; 1 Kön 3,9; Dtn 15,9), in dem äußere Eindrücke gebündelt und reflektiert werden. Darüber hinaus wird das Herz als ganzheitliche Mitte und Personkern des Menschen verstanden, als der innerste Ort der Gotteswahrnehmung und Gottesbegegnung. Die biblische Texttradition betont zudem, dass Gott die Herzen der Menschen kennt und in sie blicken kann (1 Sam 16,7; 1 Kön 8,39). Für religiöse Bildungsprozesse erscheinen zwei elementare Linien besonders fruchtbar: erstens die Frage nach menschlicher Personalität und Lebensorientierung, zweitens die Reflexion von Urteils-, Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit sowie Selbstbestimmung und Verantwortung. Die Vielfalt biblischer Herz-Texte ermöglicht es, das Thema im Zusammenhang unterschiedlichster Themenbereiche zu behandeln und dabei das biblische Menschenbild, das Menschen in ihrer Sozialität und Beziehungsfähigkeit versteht, zur Geltung zu bringen.