Der Artikel behandelt Gottesvorstellungen muslimischer Kinder aus religionspsychologischer und religionspädagogischer Perspektive. Zentral ist die Unterscheidung zwischen kognitiver Dimension (Gottesverständnis) und emotional-motivationaler Dimension (Gottesbeziehung), wobei beide Dimensionen miteinander verknüpft sind. Während die Religionspädagogik lange Zeit die kognitive Dimension fokussierte, besteht heute Einigkeit, dass die emotionale Dimension entscheidend für die Religiosität ist und durch implizites, in sozialer Praxis verankertes Wissen geprägt wird. Der Artikel dokumentiert eine lange Forschungstradition zu Gottesvorstellungen von Kindern im christlichen Kontext, insbesondere Stufenmodelle wie von Fowler oder Oser/Gmünder. Neuere Forschungen richten ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf muslimische Kinder und Jugendliche und berücksichtigen dabei Gender-Aspekte, Sozialisationsfaktoren und Säkularisierungseinflüsse. Die dargestellten empirischen Studien nutzen verschiedene Methoden wie Zeichnungen, Aufsätze und Interviews und zeigen, dass muslimische Kinder Gott häufig als Schöpfer verstehen, anthropomorphe Vorstellungen aufweisen, die mit dem Alter abnehmen, und Gott zunächst als strafend, später als liebevoll wahrnehmen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Gotteskonzepte von Kindern erheblich durch Interaktionen mit Erwachsenen beeinflusst werden und zwischen spontanen und nicht-spontanen Konzepten unterschieden werden kann. Insgesamt zeigen die Studien, dass Gottesvorstellungen muslimischer Kinder größere Vielfalt aufweisen und oft konventionell-institutionell geprägt sind.