Der Artikel definiert Erklärvideos als produzierte Filme zur Erläuterung von Prozessen und abstrakten Konzepten und konstatiert deren omnipräsente Rolle in Bildungskontexten. Die Autoren kritisieren die fehlende Unterscheidung zwischen naturwissenschaftlichem Erklären und geisteswissenschaftlichem Verstehen in der Fachdiskussion. Erklärvideos dienen im Unterricht als Lernhilfen, Distanzunterricht-Tools und teilweise als Lehrervortrag-Ersatz, wobei religionsbezogene Erklärfilme besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Die didaktische Produktion von Erklärvideos durch Schülerinnen und Schüler fördert kritisches Denken und mediendidaktische Kompetenzen. Der Artikel analysiert prominent vertretene Kanäle wie MrWissen2go und kritisiert deren Reproduktion stereotypischer Kirchengeschichtsbilder. Erklärvideos prägen als Genre der Geschichtskultur historische Vorstellungen durch narrative Deutungsansprüche und fungieren als wahrgenommene Wissensautoritäten. Ihre Popularität resultiert aus der Befriedigung akuter Wissensbedürfnisse und individueller Nutzungsflexibilität. Während das Potenzial für Blended-Learning und Flipped-Classroom-Arrangements zu würdigen ist, bleibt die unkritische Vereinfachung komplexer Sachverhalte problematisch. Die Geschichts- und Religionsdidaktik muss Lehrende und Lernende qualifizieren, Erklärvideos kritisch zu analysieren und dabei Multiperspektivität sowie Kontroversität zu bewahren.