Der Artikel analysiert den Begriff der Emanzipation als historischen Schlüsselterminus der Religionspädagogik, der in den 1960er-Jahren einen gesellschaftskritischen Aufbruch gegen Ideologisierung und Unterdrückung verkörperte. Die Autoren dokumentieren einen markanten Rückgang der Verwendung dieses Begriffs in gegenwärtigen religionspädagogischen Handbüchern und Diskursen, trotz ungelöster Probleme im Bereich Bildungsgerechtigkeit und Mündigkeit. Sie verfolgen die Etymologie und Begriffsgeschichte von der römischen Rechtstradition über Kant und die Aufklärung bis zu Marx und Habermas und zeigen drei Entwicklungsstrukturen: Prozessualisierung, Ausweitung auf gesellschaftliche Sphären und zunehmende Selbstreflexivität der Subjekte. Der Artikel problematisiert, ob Emanzipation durch gegenwärtige Steuerungstechniken, Pragmatisierungen und Formalisierungen im Bildungssystem selbst zur Machttechnik verkehrt worden ist. Die Autoren deuten an, dass trotz dieser kritischen Fragen der Emanzipationsbegriff unter Bedingungen von Heterogenität und Spätmoderne erhebliches Potential birgt, wenn er durch kritische Relektüre seiner Begriffsgeschichte und interdisziplinärer Diskurse rekonstruiert wird. Sie argumentieren damit für eine Revitalisierung des Emanzipationsgedankens als notwendig für zukunftsfähige Religionspädagogik.