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WiReLex | Deutsche Bibel GesellschaftMichael Roth

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Michael Roth

Das ReligionsstundenIch

Veröffentlichung:1.5.2026

Der Artikel untersucht das Phänomen des „Religionsstunden-Ichs" – die Beobachtung, dass Schüler im Religionsunterricht schablonierte, „religiös gefärbte" Antworten geben, die ihrer alltäglichen Perspektive nicht entsprechen. Roth diskutiert zwei Interpretationen: Eine sieht darin ein Krisenphänomen des Religionsunterrichts (Authentizitätsverlust), die andere eine unvermeidliche Rollenübernahme im Schulkontext. Roth argumentiert, dass beide Positionen auf veralteten Vorstellungen eines „wahren Selbst" beruhen. Neurowissenschaftlich betrachtet gibt es kein rollenunabhängiges Ich; das Selbst ist seine verschiedenen kontextuellen Ausdrücke. Stattdessen empfiehlt er eine Unterscheidung: Im ethisch-moralischen Unterricht sollten Schüler die Strukturen moralischer Urteilsbildung und deren Grenzen durchschauen lernen (Sündenlehre). Im dogmatisch-religiösen Unterricht sollte das Religionsstunden-Ich gestärkt werden, indem religiöse Sprach- und Lebensformen vermittelt werden – denn Religion ist sprachlich grundiert und produziert Erfahrungen, statt sie nur auszudrücken.

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Der Artikel von Michael Roth untersucht das religionspädagogische Phänomen des „Religionsstunden-Ichs" – die Beobachtung, dass Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht Antworten geben, die nicht ihrer sonstigen Denk- und Verhaltensweise entsprechen, sondern den wahrgenommenen Erwartungen des Settings angepasst sind. Der Artikel rekonstruiert zunächst zwei konkurrierende Deutungen: das Religionsstunden-Ich als Krisenphänomen, das unauthentische, schablonierte Antworten produziert und daher abzubauen sei, sowie das Religionsstunden-Ich als unvermeidliche Realität, die im größeren Kontext eines allgemeinen „Schul-Ichs" zu sehen ist und als Schutzraum für persönliche Äußerungen fungieren kann. In einem kritischen Schritt hinterfragt der Autor beide Deutungen grundsätzlich: Da das Selbst kein hinter den Rollen liegendes, unveränderliches Substrat ist, sondern selbst ein Konstrukt ohne eigenständige Existenz, verfehlt die Rede von Authentizität versus Unauthentizität ihr Ziel. Daraus zieht der Artikel zwei weiterführende Schlüsse: Im ethisch-moralischen Kontext geht es nicht darum, das Religionsstunden-Ich zugunsten authentischerer Moral zu überwinden, sondern die Struktur moralischer Urteilsbildung – und damit den theologischen Ort der Sündenlehre – transparent zu machen. Im dogmatisch-religiösen Kontext hingegen ist das Religionsstunden-Ich als Betreten eines religiösen Sprach- und Erfahrungsraums zu verstehen, den zu stärken, nicht abzubauen, die eigentliche Aufgabe des Religionsunterrichts wäre.

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