Der Lexikonartikel analysiert die Christenverfolgungen im Römischen Reich als Reaktion auf die religiöse Nonkonformität der Christen, die sich weigerten, die kaiserzeitlichen Götter zu verehren. Die Verfolgungen entstanden aus dem römischen Verständnis von Religion als Tauschgeschäft (do ut des), wobei Christen als Gefährder des Gemeinwohls galten. Der Artikel unterscheidet drei Phasen dieser Verfolgungen und betont, dass die verbreitete Ablehnung durch Gerüchte über vermeintliche Orgien und Kannibalismus verschärft wurde. Früh entwickelten Christen literarische und theologische Bewältigungsstrategien durch passiones-Texte, in denen Märtyrer als Sieger über ihre Verfolger dargestellt wurden. Diese Berichte dienten der Bewältigung von Gewalterfahrungen und deuteten das Leiden als Mitleiden mit Christus. Nach der Konstantinischen Wende (380) wurde die Märtyrerverehrung institutionalisiert, mit dem Risiko der Legendenbildung und Instrumentalisierung gegen andere Religionen wie das Judentum. Der Artikel warnt vor einer vollständigen Mythologisierung der Verfolgungen und plädiert statt dessen für die Bezeichnung 'Diskurs', um zwischen historischer Realität und theologischer Deutung zu unterscheiden. Moderne Interpretationen verstehen Martyrium als rationale Entscheidung, die Ruhm und heilsgeschichtliches Heil versprach. Die Märtyrerberichte offenbaren ein revolutionäres neues Verständnis von menschlicher Subjektivität, das den Körper und das Leiden als zentral für die menschliche Identität begreift – eine Perspektive, die in der Inkarnationslehre begründet liegt.