Der Artikel von Bernhard Grümme thematisiert Bildungsgerechtigkeit als zentrale Herausforderung des deutschen Bildungssystems. Empirische Daten zeigen, dass soziale Herkunft, Migrationsstatus und kulturelle Ressourcen weiterhin stark mit Kompetenzerwerb korrelieren. Der Autor unterscheidet zunächst drei Gerechtigkeitskonzepte: distributive Gerechtigkeit (gleiche Verteilung), kommutative Gerechtigkeit (Ausgleich) und Leistungsgerechtigkeit. Während der ökonomische Diskurs Bildungsgerechtigkeit als Chancengleichheit versteht, plädiert Grümme für einen Ansatz der Teilhabe- und Befähigungsgerechtigkeit. Besonders vielversprechend ist jedoch eine anerkennungstheoretische Perspektive, die nicht primär auf Ressourcenteilung, sondern auf die Befähigung zur individuellen Autonomie und wechselseitiger Würdigung abzielt. Die Religionspädagogik wird als notwendig erachtet, um diese Gerechtigkeit sowohl inhaltlich im Glaubensdiskurs (Gottes parteiliche Gerechtigkeit) als auch in den Strukturen von Schule und Unterricht zu verankern. Empirische Praxeologien zeigen, dass der Religionsunterricht selbst zur Bildungsungleichheit beitragen kann. Zusammenfassend wird argumentiert, dass authentische Bildungsgerechtigkeit die Transformation von Schule als ganze Institution erfordert, einschließlich ihrer Selektions-, Inklusions- und Anerkennungspraktiken.