Die Evangelischen Akademien entstanden ab 1946 in Deutschland als bewusste Antwort auf die Verbrechen des Nationalsozialismus und sollten durch ihre Tagungsarbeit zur Stabilisierung der Demokratie beitragen. Der Artikel analysiert ihre thematische Entwicklung in vier Phasen: In der Gründungszeit bis Anfang der 1960er Jahre waren sie von wertkonservativem Habitus geprägt, öffneten sich aber schrittweise für demokratische Prinzipien. Mit der Studentenbewegung ab 1967 vollzog sich ein Orientierungswechsel zu progressiv-liberalen Positionen, einschließlich des Engagements für ökumenische Gerechtigkeitsfragen und Entspannungspolitik. In den 1970er und 1980er Jahren etablierten die Akademien das Konzept der Interdisziplinarität und des diskursiven Ansatzes als Kernprofil und engagierten sich in Mediationsprozessen zu Friedens-, Umwelt- und Ökologiefragen. Nach dem Fall der Mauer 1989 verschob sich der Fokus auf Zivilgesellschaft, Globalisierung und interkulturelle Konfliktbearbeitung. Als Träger außerschulischer Erwachsenenbildung etablierten sich die 17 Akademien als wichtige Akteure in öffentlichen Auseinandersetzungen und Vermittlungsprozessen bei normativen Konflikten.