Das Medium eignet sich besonders für einen kompetenzorientierten Religionsunterricht, der Fragen nach Verantwortung, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und globaler Solidarität aufgreift. Durch die Übernahme unterschiedlicher Rollen werden Perspektivwechsel ermöglicht und Empathiefähigkeit gefördert. Methodisch bietet sich zunächst die individuelle Auseinandersetzung mit den Rollenkarten an, bevor die Lernenden im gemeinsamen Netzspiel Zusammenhänge sichtbar machen. Die entstehenden Verbindungen können anschließend im Plenum reflektiert und hinsichtlich ihrer ethischen Dimension diskutiert werden. Besonders gewinnbringend sind Vertiefungen zu Themen wie fairer Handel, nachhaltiger Konsum, Ressourcenverteilung oder Klimagerechtigkeit. Im Religionsunterricht lassen sich Bezüge zu biblischen Schöpfungstexten, zum Prinzip der Nächstenliebe, zur Option für die Armen sowie zur globalen Verantwortung des Menschen herstellen. Die Lernenden können ihre Erkenntnisse in Form von Mindmaps, Zukunftswerkstätten, Diskussionsrunden oder konkreten Handlungsprojekten weiterentwickeln. Denkbar sind beispielsweise die Erstellung von Konsumleitlinien für die Schule, die Planung eines nachhaltigen Frühstücks, die Analyse eigener Einkaufsgewohnheiten oder die Durchführung eines Projekttages zu fairem Handel. Durch die Verbindung von Bewegung, Interaktion, Reflexion und Handlungsperspektiven eignet sich das Material hervorragend für einen lebendigen und lebensweltorientierten Unterricht.
Das Unterrichtsmedium „Der vernetzte Teller“ besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Materialbausteinen, die gemeinsam ein handlungsorientiertes Lernen im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ermöglichen.
Lehrpersonenhandreichung und Ablaufbeschreibung
Die Handreichung bietet eine ausführliche Einführung in die Zielsetzung, die organisatorischen Voraussetzungen und den methodischen Ablauf des Rollenspiels. Lehrkräfte erhalten konkrete Hinweise zur Vorbereitung, zur Durchführung der einzelnen Unterrichtsphasen sowie zur Nachbereitung und Vertiefung. Darüber hinaus werden Bezüge zu den Kompetenzen des Lehrplans hergestellt und Möglichkeiten für weiterführende Projekte aufgezeigt. Die Anleitung erleichtert insbesondere Lehrkräften ohne Vorerfahrung im Bereich BNE die Umsetzung der Unterrichtseinheit.
Rollenkarten (Identitäten)
Das Herzstück des Materials bilden 27 verschiedene Rollen- beziehungsweise Identitätskarten. Die Lernenden schlüpfen beispielsweise in die Rollen eines Schweizer Bauern, einer Zucchetti aus Marokko, eines Lastwagenchauffeurs, einer Plastikverpackung, eines Kakaobauern, einer Werbeanzeige oder sogar von Wasser, Luft und Erdöl. Jede Karte enthält altersgerechte Informationen zur jeweiligen Rolle sowie Recherche- und Reflexionsfragen. Die Rollen verdeutlichen die vielfältigen Akteure und Faktoren, die mit unserem Lebensmittelkonsum verbunden sind.
Schnurnetz-Rollenspiel
Für die Durchführung des eigentlichen Rollenspiels werden die Rollenkarten mit einem Schnurknäuel kombiniert. Die Lernenden stellen Verbindungen zwischen ihren Rollen her und machen dadurch komplexe globale Zusammenhänge sichtbar. Das entstehende Netz veranschaulicht Abhängigkeiten innerhalb von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Diese Methode fördert systemisches Denken und ermöglicht ein ganzheitliches Verständnis globaler Zusammenhänge.
Themenblätter für Lehrkräfte
Zur Vertiefung stellt das Material sieben ausführliche Themenblätter bereit:
Landwirtschaft in der Schweiz: Informationen über Produktionsbedingungen, Direktzahlungen, biologische Landwirtschaft und aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft.
Klimawandel und Ernährung: Zusammenhänge zwischen Ernährung, Treibhausgasemissionen, Transportwegen und globaler Erwärmung.
Abfälle: Ursachen von Müll, Recyclingprozesse, Müllvermeidung und nachhaltiger Konsum.
Weltweite Nahrungsmittelindustrie: Globalisierung der Lebensmittelproduktion und die Rolle multinationaler Unternehmen.
Werbung und Marketing: Einfluss von Werbung auf Kaufentscheidungen und Konsumverhalten.
Ausbeutung von Ressourcen und Ernährung: Folgen intensiver Ressourcennutzung für Umwelt und Gesellschaft.
Werte und Dilemmata: Ethische Fragestellungen und Zielkonflikte im Zusammenhang mit Ernährung und Konsum.
Diese Hintergrundinformationen unterstützen Lehrkräfte bei der fachlichen Vorbereitung und ermöglichen eine gezielte Vertiefung einzelner Aspekte im Unterricht.
Lösungsblätter
Für die auf den Rollenkarten enthaltenen Recherchefragen werden passende Lösungsvorschläge bereitgestellt. Sie dienen der Unterrichtsvorbereitung und können zur Ergebnissicherung eingesetzt werden.
Arbeits- und Reflexionsaufgaben
Mehrere Unterrichtsphasen regen die Lernenden dazu an, eigene Netzwerke zu zeichnen, Zusammenhänge zu dokumentieren und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Materialien fördern die Reflexion über den eigenen Konsum und eröffnen Perspektiven für nachhaltiges Handeln.
Projekt- und Vertiefungsvorschläge
Das Medium enthält zahlreiche Ideen für weiterführende Projekte, beispielsweise die Erstellung von Konsumregeln für die Schule, die Planung nachhaltiger Mahlzeiten, die Anlage eines Schulgartens, den Besuch eines Bauernhofs oder die Durchführung eines Kochprojekts. Dadurch wird der Transfer von Wissen in konkretes Handeln unterstützt.
Kreative Aufgabenformate
Abschließend werden kreative Methoden vorgeschlagen, etwa das Schreiben von Geschichten aus Sicht der verschiedenen Rollen oder die Entwicklung kleiner Theaterszenen. Diese ermöglichen eine emotionale und imaginative Auseinandersetzung mit den behandelten Themen und fördern Perspektivwechsel sowie Empathie.