Der Brief an die deutschen Bischöfe argumentiert, dass Weihnacht und Ostern zentrale christliche Feste der Verletzlichkeit sind: Gott offenbart sich als hilfloses Neugeborenes und lässt sich am Kreuz zerbrechen. Diese absolute Vulnerabilität wird zum Angebot an das Gegenüber, sich zu öffnen und zu transformieren. Jesu gesamtes Wirken verkörpert diese Kraft der Verletzlichkeit durch seine Hinwendung zu Schwachen, Randständigen und Sündern sowie seine Ablehnung von politischer und religiöser Macht.
Die Autorin stellt der Kirche die unbequeme Frage, ob sie heute als verletzliche oder verletzende Institution Ostern feiert. Die innerkirchlichen Zustände zeigen ein beängstigendes Übergewicht von Vulneranz: sexueller Missbrauch und dessen Vertuschung, fehlende Geschlechtergerechtigkeit und klerikale Machtstrukturen wiegen zu schwer. Ohne radikale Metanoia droht ein Niedergang.
Die Lösung liegt in einer grundlegenden Verwandlung zu einer vulnerablen Kirche: einer Institution, die den Schutz anderer über Selbstschutz stellt, echte Verantwortung übernimmt, Frauen volle Teilhabe ermöglicht statt sie durch patriarchale Narrative auszugrenzen, hierarchische Machtasymmetrien aufbricht und Caritas glaubwürdig vorlebt. Die Bischöfe tragen besondere Verantwortung dafür, ob die Kirche in Auferstehung oder Niedergang führt.