Der weltweite Synodale Prozess von Papst Franziskus fand in der Schweiz ein gespaltenes Echo. Während reformorientierte Kreise das 50. Jubiläum der „Synode 72" nutzen wollten, um das Synodenthema zu reaktivieren, stieß dies auf breite Skepsis. Die heutige Kirchenlandschaft unterscheidet sich fundamental von 1972: Sie ist fragmentiert durch theologische Differenzen, postmigrantische Vielfalt, Säkularisierung und Individualisierung. Konservative Kreise bestritten die Notwendigkeit von Synodalität, andere bezweifelten die Realisierbarkeit von Synodenbeschlüssen. Die stärkste Reaktion war jedoch schlichte Ignoranz, die die kulturelle Entfremdung der Kirche von der modernen Gesellschaft offenbart.
Trotz dieser Herausforderungen beschloss die Schweizer Katholizität, einen eigenen Prozess synodaler Erneuerung zu starten. Die anfängliche Skepsis wandelte sich in Gründe für „mehr Synodalität": Reformen sind notwendig, ein Dialog über kirchliche Identität essentiell, und Synodalität könnte ein Schlüssel zur Lösung von Leitungskrisen und Vertrauensverlust sein. Der Prozess befindet sich noch am Anfang und wird als Generationenprojekt verstanden. Ein erstes Scheitern von „Synodalen Strukturen auf Gesamtschweiz-Ebene" führte zu einem besseren Verständnis: Strukturen dürfen nicht etabliert werden, bevor sie nicht von allen verstanden und getragen sind. Daraus entstand ein neuer Ansatz mit einer „Synodalen Erprobungsphase" von bis zu fünf Jahren auf nationaler Ebene, in der konkrete synodale Formen experimentiert und reflektiert werden sollen.
Erfolgreich ist dieser Prozess nur mit wiederholtem „enttäuschungsfestem Vorschussvertrauen". Enttäuschungen und Frustration sind programmiert, denn progressive und konservative Positionen müssen sich aufeinander einlassen. Der Wiederaufbau von Vertrauen in der breiten Bevölkerung setzt voraus, dass die kirchlichen Akteure selbst in ihrer Vielfalt gegenseitig Vertrauen entwickeln und dies authentisch nach außen ausstrahlen.