Die beiden Autoren berichten aus Kalifornien von der Wahl eines amerikanischen Papstes und dessen Bedeutung für die theologische und ethische Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz. Sie kontextualisieren ihre Beobachtungen in der San Francisco Bay Area, wo technologischer Fortschritt und gelebter Glaube eng beieinander liegen – im Silicon Valley entwickelt Big Tech zukunftsweisende Technologien, während gleichzeitig Religion im Alltag präsenter ist als in Deutschland. Diese Gemengelage macht Kalifornien zum idealen Ort, um Papstes Verhältnis zu KI zu diskutieren.
Die Wahl von Leo XIV. wird von der lokalen theologischen Gemeinschaft mit großem Interesse verfolgt, denn der Papst kann Themen setzen, die aus christlicher Perspektive zentral sind und damit die theologische Forschung an Universitäten prägen. Das Markkula Center for Applied Ethics und das Center for Theology and the Natural Sciences sind etablierte Orte dieser Debatte. Leos Namenswahl verweist auf Leo XIII. und dessen bahnbrechende Sozialenzyklika Rerum novarum von 1891, die die Soziale Frage im Kontext der industriellen Revolution behandelte. Leo XIV. signalisiert damit, dass er die katholische Soziallehre als Ressource für die Antwort auf die aktuelle technologische Revolution und die Herausforderungen der KI nutzen will – insbesondere im Hinblick auf Menschenwürde, Gerechtigkeit und Arbeit. Interessanterweise war Leo XIII. selbst ein Amerika-Freund, dessen Sozialenzyklika wesentlich auf amerikanischen Erfahrungen mit der Arbeiterfrage basierte, was die transatlantische Kontinuität unterstreicht.