Selbstoptimierung ist zur „neuen ersten Bürgerpflicht" geworden – ein Phänomen, das Jugendliche und junge Erwachsene längst internalisiert haben. Der Beitrag untersucht diesen kulturellen Trend in drei Schritten: Zunächst werden die Erscheinungsformen der Selbstoptimierung systematisch dargestellt – von Schönheitsoperationen über Neuroenhancement bis zur medialen Selbstinszenierung. Die empirischen Daten sind aufschlussreich: Fast die Hälfte der Gesellschaft akzeptiert Schönheitsoperationen als Alltägliches, jede fünfte Studentin und jeder fünfte Student nutzt Hirndoping zur Leistungssteigerung. Im zweiten Schritt wird das Phänomen theologisch interpretiert. Dabei kommen reformatorische Konzepte ins Spiel: Wie verhält sich Selbstoptimierung zur Sündenlehre? Welche Rolle spielen die Kategorien von Gesetz und Evangelium? Und wie lässt sich das Verhältnis von Glück und Selbstbild theologisch bewerten? Im dritten Schritt werden religionspädagogische Konsequenzen gezogen. Der zentrale Gedanke: Gerade durch die Thematisierung von Selbstoptimierung lässt sich der theologische Begriff der Gnade neu erschließen – als Gegenpol zu einem Dasein unter dem permanenten Druck der Selbstvervollkommnung. Der Artikel verbindet damit religionspädagogische Praxis mit einer kritischen Analyse gegenwärtiger Lebensentwürfe und öffnet Räume für eine Theologie, die Annahme und Befreiung anbietet.