Die Religionsdidaktik und die Ethik-/Philosophiedidaktik befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen Konkurrenz und Kooperation – ein Verhältnis, das bislang in der religionspädagogischen Forschung zu wenig Beachtung gefunden hat. Der Autor zeichnet nach, wie beide Fachbereiche heute etablierter denn je sind und damit grundsätzlich in der Lage wären, konstruktiv miteinander ins Gespräch zu treten. Gleichzeitig beobachtet er eine wachsende Konkurrenz: Die Schülerzahlen im Ethikunterricht steigen in vielen Bundesländern kontinuierlich an, während sich religiöse Lebenswelten pluralisieren und konfessionslose Schüler:innen zunehmend den Weg in den Ethikunterricht wählen. Regional sind die Verhältnisse dabei höchst unterschiedlich – während in Ostdeutschland Konfessionslosigkeit den gesellschaftlichen Grundton vorgibt, stellt sich die Lage in westdeutschen Flächenländern anders dar. Parallel entstehen jedoch auch Kooperationsinitiativen wie gemeinsame Fachkonferenzen und Schulprojekte. Problematisch ist eine mangelnde Differenzwahrnehmung, wenn Religionslehrer:innen ohne spezifische Ausbildung Ethikunterricht erteilen und dadurch die wesentliche Asymmetrie beider Fächer verschwimmt. Der Autor argumentiert überzeugend, dass die Religionsdidaktik das Gespräch mit der Ethikdidaktik ernster nehmen muss – nicht nur um schulische Qualität zu sichern, sondern um der Frage nachzugehen, welchen Mehrwert religiöse Perspektiven für Lebensdeutung und -führung in der modernen Gesellschaft haben können.