Welche Werte sind jungen Erwachsenen wichtig – und welche Rolle spielt dabei ihre Religionszugehörigkeit? Eine quantitative Fragebogenerhebung mit 1090 Teilnehmenden zwischen 18 und 25 Jahren geht dieser Frage empirisch nach. Die Stichprobe ist religiös heterogen zusammengesetzt: 68% sind Christinnen und Christen, 13% Muslimas und Muslime, 15% sind konfessionslos. Der Beitrag prüft systematisch, wie Werteorientierungen mit religiöser Zugehörigkeit und selbsteingeschätzter Religiosität zusammenhängen. Besonders interessant ist der Fokus auf interreligiöse Freundschaften: Inwiefern beeinflussen Freundschaften zu Personen anderer Religionsgemeinschaften die eigenen Werteprioritäten? Theoretisch verankert ist die Studie in der universellen Wertetheorie nach Schwartz, die zehn Wertetypen in vier Dimensionen unterscheidet – von der Offenheit für Neues bis zur Bewahrung des Bestehenden, von Selbststärkung bis Selbstüberwindung. Zusätzlich wird Religiosität nach Glock in ihre Dimensionen Glaube, Ritual, emotionale Erfahrung, Wissen und alltägliche Konsequenzen differenziert. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Religiös gebundene junge Erwachsene – unabhängig ihrer Konfession – legen traditionelle und familiäre Werte deutlich höher an als Konfessionslose. Besonders hochreligiöse junge Menschen betonen Universalismus und den Einsatz für Schwächere. Ein spannender Befund: Hochreligiöse Muslimas und Muslime, die interreligiöse Freundschaften mit Christinnen und Christen pflegen, zeigen bei diesen Selbstüberwindungswerten besonders hohe Zustimmung. Der Beitrag trägt damit zu einem differenzierten Verständnis bei, wie Religion, Werteentwicklung und interreligiöse Kontakte zusammenhängen – ein Thema von wachsender Relevanz für religiöse Bildung und Gesellschaft.