Der Artikel systematisiert erstmals die Verbindungen zwischen Globalem Lernen und Religionspädagogik. Während die religionspädagogische Forschung in den letzten Jahren vermehrt Globalisierungsfragen in den Fokus rückt – etwa durch Konzepte globalitätsbezogener Kompetenzen oder einer weltweiten religiösen Bildungsperspektive – hat die erziehungswissenschaftliche Debatte zum Globalen Lernen bislang nur punktuell Eingang in religionspädagogische Überlegungen gefunden. Der Beitrag schließt diese Lücke durch eine systematische Zusammenschau und arbeitet dabei heraus, wie Globales Lernen die religiöse Bildung bereichern kann. Zentral ist die Auseinandersetzung mit zwei konkurrierenden theoretischen Zugängen: Während handlungstheoretische Positionen von einem direkten Kausalzusammenhang zwischen individuellem Handeln und globalen Verhältnissen ausgehen und daher normative Erziehungsziele verfolgen, betonen systemtheoretische Ansätze die Komplexität globaler Zusammenhänge und warnen vor vereinfachten Lösungsvorstellungen. Diese Kontroverse eröffnet dem Autor zufolge produktive Anfragen an die Religionspädagogik: Sie können den ethischen Horizont religiöser Bildung reflexiv-politisch dimensionieren, ökumenische Bemühungen um postkoloniale Perspektiven erweitern und die Heterogenitätsdebatte in interreligiösen Kontexten sozialwissenschaftlich schärfen. Der Text erarbeitet damit grundlegende Anknüpfungspunkte zwischen den beiden Diskursfeldern und skizziert deren Relevanz für das Selbstverständnis der Religionspädagogik.