Die aktuelle Shell Jugendstudie (2019) zeichnet ein prägnantes Bild einer selbstbewussten Generation, deren zentrale Anliegen Klimawandel, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit sind. Doch während junge Menschen diese Themen intensiv beschäftigen, berichten sie von einem massiven Resonanzdefizit in der Gesellschaft: Sie fühlen sich zu wenig gefragt, einbezogen und gehört. Besonders die Kirchen, so geben 59 Prozent an, hätten keine Antworten auf ihre Fragen. Dieser Beitrag greift diesen Befund auf und entwickelt ihn theoretisch weiter durch das Konzept der Resonanz, das der Soziologe Hartmut Rosa ausgearbeitet hat. Resonanz bedeutet dabei nicht einfach, dass eine Seite die andere widerspiegelt, sondern dass beide mit ihrer eigenen Stimme antworten – es ist eine echte Antwortbeziehung. Junge Netzakteur_innen und Blogger_innen suchen diese Resonanz zunehmend in digitalen Medien, die mit ihrem Versprechen von Gehört-Werden eine große Anziehungskraft ausüben. Der Autor argumentiert jedoch, dass Kirche und Religion aufgrund ihrer Sinnstruktur das Potenzial hätten, ebenso als Resonanzsysteme zu fungieren. Die zentrale Frage lautet: Warum sollten tradierte religiöse Institutionen heute für die Resonanzsuche der jungen Generation wieder an Bedeutung gewinnen? Der Artikel verknüpft dabei empirische Daten mit theologisch-theoretischen Überlegungen und verbindet Rosas Resonanzkonzept mit Jessica Benjamins Theorie der Anerkennung, um zu zeigen, dass es nicht nur um psychologisches Wohlbefinden geht, sondern um existenzielle Bedürfnisse der Selbstkonstitution.