Die politische und gesellschaftliche Dimension des Religionsunterrichts geriet angesichts einer subjektorientierten Modellierung des Fachs lange Zeit aus dem Blick. Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen stellt sich heute verstärkt die Frage nach der politischen Dimension religiöser Bildung. Diese kann bildungstheoretisch, biblisch und theologisch begründet und entfaltet werden. Auf dieser Basis lassen sich konkrete inhaltliche Perspektiven skizzieren. Der Anspruch auf die Wahrnehmung von Weltverantwortung hat auch Folgen für das Selbstverständnis der Lehrenden. Damit verfügt er über die Verteilungshoheit. Politik beginnt also nicht erst im Bundestag, sondern bereits in der (Schiffs-) Küche. Wie hängen nun aber Politik und Religion, politische Bildung und Religionsunterricht zusammen? Religion ist ein Teilsystem der Gesellschaft. Religiöses Lernen findet in konkreten gesellschaftlichen Kontexten statt, und auch die Gestalt des Religionsunterrichts ist eingebettet in ein Netzwerk der jeweiligen gesellschaftlichen, kirchlichen und pädagogischen Rahmenbedingungen. Dass die politische Dimension religiöser Bildungsarbeit erst allmählich wieder in ihrer Unverzichtbarkeit erkannt wird, hat mit diesen Zeitverläufen zu tun. Im ersten Teil des Beitrags soll diese historische Wellenbewegung nachgezeichnet werden. Sie mündet mit dem Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in den Aufweis der Dringlichkeit, religiöse Bildungsarbeit heute deutlicher politisch, öffentlich und global zu konturieren (Kap. Eine solche Neuausrichtung bedarf aber einer reflektierten Verhältnisbestimmung zwischen Öffentlichkeit, Religion, Bildung und Religionspädagogik (Kap. 3) sowie einer spezifisch theologischen Begründung (Kap. Vor diesem Hintergrund lassen sich dann Zielhorizonte und Themenfelder einer politisch ausgerichteten religiösen Bildung (Kap. 5) benennen, bevor abschließend Anforderungen an die Lehrenden und weitergehende religionsdidaktische Desiderate formuliert werden können (Kap.