Sabine Pemsel-Maier analysiert das anspannungsvolle Verhältnis zwischen Religionspädagogik und Systematischer Theologie. Sie beginnt mit einer Kontrastierung beider Disziplinen, die gegensätzliche Positionen zu suggerieren scheint: Die Systematische Theologie mit ihrem Wahrheitsanspruch versus die Religionspädagogik mit ihrem Fokus auf Lernprozesse und Subjektorientierung. Allerdings zeigt Pemsel-Maier, dass neuere Entwicklungen in beiden Disziplinen diese Dichotomie überlagern. Die Systematische Theologie habe längst realisiert, dass Theologie immer subjekt- und kontextgebunden ist, und die Religionspädagogik widme sich keineswegs nur oberflächlichen konstruktiven Prozessen. Der Kern des Artikels liegt in der Bestimmung von fünf Anwaltschaften der Systematischen Theologie im Dialog mit der Religionspädagogik: (1) Sie versteht sich als Anwältin des Rückbezugs auf die Offenbarung Gottes in Jesus Christus und warnt vor einer beliebigen Relativierung im interreligiösen Kontext. (2) Sie setzt sich für eine gezielte Relecture sperriger und schwierig vermittelbarer Glaubensaussagen ein, die nicht einfach eliminiert werden sollten. (3) Sie verteidigt die intellektuell-kognitive Dimension von Religion gegen eine einseitige ästhetisch-symbolische Fokussierung. (4) Sie fordert eine rationale Verantwortung des Glaubens ein (fides quaerens intellectum). (5) Sie hält an der Wahrheitsfrage fest – verstanden als personale Wahrheit in Jesus Christus, die weder empirisch falsifizierbar noch autoritativ behauptbar ist. Pemsel-Maier argumentiert, dass dieser Dialog zwischen beiden Disziplinen unverzichtbar ist, besonders angesichts empirischer Befunde zum Schwinden christlicher Glaubensvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie betont, dass ein „kritisch-konstruktives Wechselspiel" zwischen Religionspädagogik und Systematischer Theologie nötig ist. Abschließend nennt sie auch Perspektiven der Religionspädagogik für die Systematische Theologie: stärkerer Praxisbezug, Sensibilität für heutige Lebenswelten, Berücksichtigung empirischer Befunde, Bewusstsein für den Entwicklungscharakter des Glaubens und Zurückhaltung gegenüber Universalismen. Der Artikel schließt mit gemeinsamen Herausforderungen beider Disziplinen, etwa wie Lernprozesse gestaltet werden können, die Subjektivität respektieren ohne Inhalte zu nivellieren.